Häusliche Gewalt gegen Kinder

Körperliche, psychische und emotionale Gewalt

 

 

(S. 187) "Aus der Befragung von 349 Kindern und Jugendlichen geht hervor, dass Kinder, die bei einer allein erziehenden Mutter leben, schon öfter von ihrer Mutter geschlagen worden sind als Kinder, die mit beiden Elternteilen aufwachsen."

 

(S. 158) "Kindheitserlebnisse mit Gewalt in der Familie spielen eine wichtige Rolle für das spätere Verhalten den eigenen Kindern gegenüber. Väter und Mütter, die ihre Kinder misshandeln, sind meist selbst von den Eltern misshandelt worden oder waren häufiger körperlicher Bestrafung ausgesetzt."

 

(S. 159) "Gewalterfahrungen in der Kindheit prägen vor allem das Verhalten von Frauen, weniger das von Männern. Frauen die als Kinder häufig Gewalt durch ihre Eltern erlebt haben, verhalten sich zu einem größeren Anteil ihren eigenen Kindern gegenüber gewalttätig als Männer mit den gleichen Gewalterfahrungen."

 

(S. 265) "Es konnte bestätigt werden, das Gewalt gegen Kinder häufiger von Müttern als von Vätern ausgeht."

 

Literatur:

 

Habermehl, Anke (1989): Gewalt in der Familie.- Ausmaß und Ursachen körperlicher Gewalt. Dissertation, Universität Bielefeld.

 

 

Luedtke & Lamnek, S. (2002): "Schäge in jeder dritten Familie. - Studie zur Gewalt in bayerischen Familien - Kinder am häufigsten Opfer". 

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Bizarre Form von Gewalt

 

Münchhausen Syndrom + Münchhausen Stellvertreter Syndrom

Dabei handelt es sich um eine bizarre Form der Kindesmisshandlung. Das Syndrom tritt fast ausschließlich bei Müttern auf und ist in Deutschland noch sehr unbekannt. Es wurde erstmals 1977 beschrieben. Die Dunkelziffer ist entsprechend hoch.

Im Spiegel TV und in VOX wurde im Jahr 2002 jeweils eine Sendung dazu gemacht.

Weiterführende Information zu den Syndromen:

Universität Leipzig: aus der rechtsmedizinischen Praxis. (Homepage)

 

An der Universität Leipzig gibt es einen Experten, der sich damit befasst: Professor Werner Kleemann, 48, forscht am Institut für Rechtsmedizin der Universität Leipzig und ist Experte in Sachen Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom.

 

Medizinische Diagnostik - B.Herrmann - Kinderklinik, Klinikum Kassel. (Homepage)

 

Spiegel TV (Artikel) (Artikel)

 

 

Emotionale Gewalt

"Narzisstischer Missbrauch"

 

In der Literatur wird von einer besonders "schweren Form" der Schädigung von Kindern  berichtet, die, da sie (sehr oft) unerkannt bleibt, bis hinauf ins Erwachsenenalter Leiden verursacht. 

 

Claudia Heyne bezeichnet diese Form der Gewaltausübung als "Narzisstischen Missbrauch" (1996, S. 337 ff,). Im Kern geht es dabei um emotionale Ausbeutung eines Kindes, in erster Linie von Söhnen, durch die Mutter.

 

Auch der Männerbuchautor Wilfried Wieck (selbst betroffen) greift diese Form der Schädigung in einem seiner Bücher auf:

 

(S. 9 ff) "Im Sohn sehen Mütter meist einen Vertreter des privilegierten Geschlechts, auf den sie als heterosexuelle Frauen viele ihrer Sehnsüchte richten. Gleichzeitig gehört der Sohn zu dem Geschlecht, von dem sie sich häufig alleingelassen, nicht verstanden, enttäuscht oder gedemütigt, misshandelt oder verachtet fühlen. Sie versuchen zum Sohn eine Bindung herzustellen, in der sie endlich diese Frustrationen loswerden und eigene Bedürfnisse befriedigen können. Dieser narzisstische Missbrauch von Söhnen, der etwa bei 50 % aller Söhne auch sexuelle Varianten einschließt, geschieht offen autoritär oder subtil verdeckt. ...Viele Mütter wehren sich erheblich gegen die Befreiungsversuche ihrer Söhne. Sie verschanzen sich gekränkt und wütend hinter dem uralten Schutzschild Mutterliebe. ...Erst wenn die Schrecken und Schmerzen der Söhne zur Kenntnis genommen werden, bietet sich eine Chance, Gewaltfreiheit zwischen Männern und Frauen anzubahnen. ...Ob die Mütter, die diese Briefe erhalten, sie empört als Zumutung zurückweisen, ob sie als menschliches Gegenüber abdanken, ob sie Verantwortung für Geschehenes leugnen oder ob sie imstande sind, aufrichtig zu werden, ihren Beitrag zur Wahrheitsfindung des Sohnes mutig und selbstkritisch zu leisten, wird zeigen, wie es wirklich um die Liebe zum Sohn, um ihr Interesse an seiner Person bestellt ist."

 

Literatur zu Narzisstischer Missbrauch:

 

Maaz, Hans-Joachim (2003): Der Lilith-Komplex. - Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit. C.H. Beck, München, S. 12 -59.

 

Wieck, Wilfried (2000): Liebe Mutter, du tust mir nicht gut. - Söhne schreiben an ihre Mutter.  Kreuz-Verlag.

Heyne, Claudia (1993): Täterinnen. – Offene und versteckte Aggressionen von Frauen. Kreuz Verlag AG, Zürich.