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Wir veröffentlichen den folgenden Text mit freundlicher Genehmigung
des Autors. 

Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"?

Uwe Brauner

Sehr geehrte Damen und Herren,

dies ist eine Stellungnahme zu dem Aufsatz Jürgen Moltmanns mit dem Titel "Friedenstiften und Drachentöten im Christentum", der im August-Heft 2004 in der Zeitschrift "Evangelische Theologie" veröffentlicht wurde.

Bei meiner Person, dem Verfasser, der es hier für geboten hält, auf unkonventionelle Weise zu intervenieren, handelt es sich um einen Fünfundvierzigjährigen, der in Tübingen, dem langjährigen Wirkungszentrum Herrn Prof. Moltmanns, u.a. Theologie studiert hat. Ich arbeite heute weder in kirchlichen noch in der Theologie nahestehenden Diensten, verfolge aber dennoch die Entwicklung der theologischen Sündenlehre mit gesteigertem Interesse. Dies ist entgegen dem Anschein, den eine sich für aufgeklärt haltende Vernachlässigung bzw. Reduktion des zentralen theologisch-anthropologischen Phänomenzusammenhangs der (wie es die biblischen Überlieferungen nennen) "Sünde" auf seine strukturellen, politischen Aspekte erweckt, auch ganz ohne politischen oder theologischen Konservatismus möglich. Bei meiner Person, einer für den Feminismus seit jeher aufgeschlossenen, hat es seinen Grund darin, daß mir bewußt geworden ist, wie sehr die Geschichte meines persönlichen Leidens an jener grauenhaften seelischen Gewalt, die mir in meiner Studienzeit und danach von feministisch-theologischer Seite (unter maßgeblicher Beteiligung eines offenbar "superfeministisch" gewordenen Mannes) zugefügt wurde, aus einer ideologisch motivierten moralischen Selbstüberhebung von VertreterInnen des weiblichen Geschlechts als des vermeintlich "besseren" über das männliche erwachsen ist. Heute erkenne ich speziell im gender-spezifischen Schwerpunkt der Gewaltdebatte, in der viele als anerkannte Opfer mächtig (!) gewordene Frauen - und sich mit ihnen solidarisierende Männer - ein nüchternes kollektives  Selbstverhältnis vermissen lassen, den Ort, wo meine Erfahrung mit einer theologischen Perspektive eingebracht werden sollte. 

Jürgen Moltmann hat es in seinem Aufsatz gleich zu Beginn in der sechsten Zeile unterlassen, neben Kindern und Frauen auch Männer als Opfer der in unseren Gesellschaften gegenwärtigen Gewalt zu benennen (auch alte Menschen erwähnt er hier leider nicht). Da er schon unmittelbar nach seinem gleich betitelten Referat im Zusammenhang des Tübinger Symposiums "Religion - Gewalt - Frieden" vom Februar 2003 von mir sowie in einer anschließenden Leserbriefdebatte in der Lokalpresse auf die Unangemessenheit seiner Auslassung angesichts der Forschung (die in über hundert Dunkelfeldstudien zutage gefördert hat, daß in Partnerschaften Männer in gleichem Ausmaß Handgreiflichkeiten erleiden wie Frauen) zur Gewaltproblematik hingewiesen worden war, kann ich diese seine neuerliche Beschränkung des Opferkreises nicht mehr für das Ergebnis einer nur oberflächlichen und daher ihrer  baldigen Vertiefung entgegensehenden Rezeption der empirischen Tatsachen halten. Daraus, daß Moltmann sein Redemanuskript an dieser Stelle unverändert zum Druck gegeben hat, muß wohl vielmehr geschlossen werden, daß er sich beständig weigert, Männern einen Opferstatus zuzuerkennen, und dauerhaft versuchen wird, sie auf die Rolle von Tätern festzulegen  (und daß dieses einzelne Beharren auf der Stigmatisierung von Männern bei dem weltberühmten und einflußreichen Gelehrten nicht etwa einen "Ausrutscher" darstellt, hat sich zuletzt am 5. September im SWR 2 wieder klar gezeigt, als er mit seiner Gattin für die Sendung "Glaubensfragen" interviewt wurde, und ihm auf ihre Vorrede, das Thema "Gewalt gegen Frauen" sei ein dominierendes Thema, das man jetzt als Kirche aufgreifen müsse, nichts Einfältigeres und geschlechterkämpferisch Aggressiveres einzufallen schien als: "Am Thema Gewalt sieht man, da sind auf der einen Seite Opfer und auf der anderen Seite Täter..."; s. Interview-Manuskript S. 10f). 

Daß seine Faktenresistenz in der - zu Mediation und Ausgleich doch besonders berufenen -   Evangelischen Kirche und Theologie nun aber nicht etwa eine bloße Randerscheinung ist, sondern sich leider auch in die Sichtweise vieler weiterer Christinnen und Christen mit leitender Funktion eingenistet hat, geht  hervor aus dem gemeinsamen Diskussionspapier der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland, der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Arbeitsgemeinschaft der Frauenreferate und Gleichstellungsstellen in der EKD und des Frauenreferats der EKD mit dem Titel "Gewalt überwinden. Frauen und Männer für einen geschlechterdifferenten Blick auf die Gewaltproblematik" (zu finden unter: www.ekd.de/efd ; dort im Arbeitsbereich "Theologie und Ethik" als Dokument "http://www.ekd.de/efd/download_gewalt-ueberwinden.doc" gespeichert). Zwar findet man hier eine Anerkennung der Teilhabe von Frauen am strukturell gestützten Überlegenheitsanspruch, also am Mechanismus der Gewalt"erlaubnis" gegenüber Schwächeren, und zwar wird die MittäterInnenschaft von Frauen bei der Gewalt zwischen Staaten (in Form der Unterstützung von Nationalismus, der Weitergabe von Feindbildern an ihre Kinder, der Verherrlichung von soldatischem Heldentum und der Bestärkung ihrer Männer und Söhne in deren Soldatsein) wahrgenommen. 

Doch als "die Perspektive von Männern" wird darauf folgendes angeboten: "Die Frage der Gewalt ist ein Männerthema. In aller Regel sind die Täter Männer - vor allem, wenn es um körperliche Gewalt geht." Und der erzchristliche Anspruch, vom dichotomischen Gut-Böse - Denken loszukommen ("...Wenn wir uns als Männer mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen, wird es deshalb immer auch darum gehen, die männlichen Opfer wahrzunehmen und die vordergründige Zuordnung - Männer sind Täter. Frauen sind Opfer - zu relativieren.") wird durch eine dezidiert "frauenfreundliche" Definition des Opferstatus von Männern eingelöst: "Männer sind nicht nur Täter, sie sind auch Opfer von Männergewalt." 

Dem entspricht der einseitige Blick des Papiers auf die Gewaltformen Jugendlicher. So ist zu lesen: "Weibliche Jugendliche sind an Aufmärschen und öffentlichen Gewaltaktionen vergleichsweise selten beteiligt. In Schulklassen und Jugendgruppen haben sie oft die Rolle der Friedensstifterinnen." Und komplementär zu dem Opfer Mann, das nur als Opfer seiner eigenen Geschlechtsgenossen in den Blick kommt, wird hier von weiblichen Jugendlichen als Täterinnen ausdrücklich nur insofern gesprochen, als sich selbst Gewalt antun: "Trotzdem dürfen sie (sc. die weiblichen Jugendlichen) nicht aus dem Blick geraten, denn sie richten ihr zerstörerisches Handeln eher gegen sich selbst. Die Zahl der Mädchen, die sich selbst verletzen oder an Essstörungen erkranken, nimmt zu. Ihre Probleme bleiben allerdings im privaten Raum. Da sie nicht störend auffallen, fragt niemand nach einer gesellschaftlichen Dimension ihres Gewalthandelns."  

Diese Art, das Thema zu behandeln, steht jedoch in bedenklichem Widerspruch zu neueren Erkenntnissen. Wie nämlich die Soziologinnen Svendy Wittmann und Kirsten Bruhns in einem Projekt herausfanden, sind Mädchen keineswegs die passiven Mitglieder in den Cliquen, die die Gewalt der Jungen mehr notgedrungen tolerierten, sondern auch sie befürworten Gewalt, ziehen sie der verbalen Konfliktlösung vor und fördern ein Klima der Gewaltbereitschaft. Die Autorinnen der qualitativen, nicht repräsentativen Studie warnen davor, in den Gewalttätigkeiten der Mädchen nur 'ohnmächtige Reaktionen auf erfahrene Diskriminierungen' zu sehen. Das aggressive Verhalten sei eine selbst gewählte Handlungsstrategie und Teil des Weiblichkeitsbildes, das die traditionelle Rolle der Frau in Frage stelle. Die Wissenschaftlerinnen fordern, daß in der Pädagogik und Sozialarbeit der direkte gewaltverstärkende Einfluß von Mädchen auf Cliquen nicht länger vernachlässigt werden dürfe. Bislang blieben in den Konzeptionen die jungen Frauen weitgehend unberücksichtigt, beklagen sie. Meist würden nur die gewalttätigen Jungen angesprochen, berichtet Bruhns..." (Frankfurter Rundschau, 9. Januar 2002, S. 36).

Der ungerechten Rollenzuweisung an Männer und männliche Jugendliche möchte ich - gerade wenn sie, wie hier im ersten Fall, mit der dünnen Watte einer trügerischen Ausgewogenheit abgefedert werden soll - im folgenden mit einigen Hinweisen entgegentreten. Hierbei gehe ich davon aus, daß das Wissen um die fraglos von vielen Frauen erlittene Gewalt durch Männer schon weit verbreitet ist und daß das öffentliche Bewußtsein für sie und für die Notwendigkeit angemessener Gewaltschutz-Maßnahmen von anderen AutorInnen zurecht weiter geschärft werden wird - so daß ich glaube, meine Darstellung ganz der Werbung um Aufmerksamkeit für den Mann als Opfer von gerade auch weiblicher Gewalt und dem Aufzeigen der Widerstände widmen zu sollen, die sich dem hier besonders notwendigen Bewußtseinswandel noch entgegenstemmen. 

Das Thema ist also endlich auch auf der deutschen Regierungsebene angekommen: Am 23./24. September 2004 fand in Osnabrück ein europäischer Kongress mit dem Titel "Gewalt im Leben von Frauen und Männern - Forschungszugänge, Prävalenz, Folgen und Intervention" statt (ausgerichtet wurde er übrigens von den für jahrzehntelange einseitige Gewaltforschung bekannten Professorinnen Barbara Kavemann und Carol Hagemann-White). Im Einladungstext der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, heißt es: "...Darüberhinaus wurde das Thema 'Gewalterleben von Männern' zum ersten Mal systematisch untersucht. Eine Pilotstudie (sc. 'Gewalt gegen Männer') liefert Erkenntnisse zu diesem wenig erforschten Bereich. Damit werden die bisher getrennt diskutierten Gewalterfahrungen von Frauen und Männern erstmals Thema einer gemeinsamen Veranstaltung sein". Diese Studie soll die Grundlage für weiterführende repräsentative Studien zu Ausmaß, Hintergründen und Folgen von Gewalt gegen Männer bilden. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Praxis waren eingeladen, die Ergebnisse u.a. dieser Pilotstudie zu diskutieren und zu analysieren. In dem Abschnitt "Schlußfolgerungen" wird dort festgestellt: 

"Neben der Frage der Erforschbarkeit richten sich folgende Schlußfolgerungen auf den Handlungsbedarf, der sich aus der festgestellten Gewaltbelastung von Männern ableitet. An vielen Stellen ist in der Pilotstudie deutlich geworden, daß potentiell vorhandene Hilfsressourcen nicht in Anspruch genommen werden, beispielsweise weil Männern widerfahrene Gewalt von ihnen und/oder ihrer Umwelt nicht als solche wahrgenommen wird, oder daß angemessene Unterstützungsangebote für Männer und Jungen fehlen. Für die Verringerung der Gewalt gegen Männer sind Maßnahmen in drei Bereichen wichtig. Zum einen ist die  E r w e i t e r u n g   d e s   W i s s e n s  über Gewaltwiderfahrnisse von Männern zentral ... Zum zweiten ist die Schaffung eines  ö f f e n t l i c h e n   B e w u ß t s e i n s   für Ausmaß und Folgen der Gewalt gegen Männer von großer Bedeutung . Wichtig ist zunächst öffentliche Aufklärung über die Vielfalt und das Ausmaß der Gewalt - insbesondere über die bisher nicht wahrgenommene und übersehene. Zum Dritten ist ein kompetentes  H i l f e s y s t e m  für gewaltbetroffene Männer und Jungen erforderlich ..."  (www.bmfsfj.de ; von einem der Mitarbeiter des mit dieser Studie betrauten Forschungsteams , Hans-Joachim Lenz, steht eine Arbeit mit dem Titel "Männer als Opfer" im Internet: (Text).

Insbesondere für feministische TheologInnen könnte der Beitrag der Theologin Susanne Andrea Birke mit dem Titel "Kein sicherer Ort. Tabuthema Frauengewalt" von Interesse sein. Er ist in der feministisch-theologischen Zeitschrift FAMA erschienen (August 2000). Birke schreibt darin von den vielen Gesichtern der Weigerung, Frauengewalt als solche wahrzunehmen, von ihrer völligen Leugnung über ihre Marginalisierung, ihre Bagatellisierung bis zu einer Form ihrer Exkulpation, bei der die Frau zur verantwortungsfreien bzw. -unfähigen Mittäterin im Opferstatus wird, eine Methode, deren auch Moltmann sich bedient: 

"...Auch dieser maskuline Sexismus ist mehr als ein Gruppenphänomen: Er ist auch ein Mittel der psychologischen Kriegsführung herrschender Männer gegen zu beherrschende Frauen. Die männlichen Superioritätsgefühle rufen dann weibliche Inferioritätsgefühle hervor, so daß die Abhängigen sich darin bescheiden, sich klein machen und als Opfer zu Mittätern des Männerwahns gemacht werden." (J. Moltmann, Erfahrungen theologischen Denkens. Wege und Formen christlicher Theologie, Gütersloh 1999, 246).

Die Tabuisierung werde, so Birke weiter, "praktiziert und eingefordert, um dem höheren Ziel der 'Frauenbefreiung' nicht zu schaden." Als einen der weiteren Gründe für die Leugnung von Frauengewalt führt sie an, "daß gerade im Namen der Frauenbefreiung Verteilkämpfe stattfinden, die von seiten der Privilegierten her der Aufrechterhaltung ihrer Machtpositionen dienen" (was der Kriminologe Michael Bock damit konkretisiert, daß bei einer Einräumung der Existenz nennenswerter weiblicher Gewalt der Status, das Geld und die Stellen der Frauen-Funktionärinnen im Kampf gegen die häusliche Gewalt, einschließlich der notwendigen Begleitforschung gefährdet wären). Damit steht sie in einer feminismuskritischen Gemeinschaft mit Autorinnen wie Claudia Leeb ("Die Zerstörung des Mythos von der friedfertigen Frau"), Yvonne Peer (Diplomarbeit: "Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Beziehungen - ein gesellschaftliches Tabu", anforderbar bei orbation@t-online.de ), Beate Kricheldorf ("'Häusliche Gewalt': Diffamierung von Männern eskaliert weiter": http://www.pappa.com/politik/BKDiffamierung.htm ), Sabine Beppler ("Skandalöse Kampagnen gegen Männergewalt. Sabine Beppler über falsch verstandenen Frauenschutz in Deutschland": http://www.novo-magazin.de/45/novo4520.htm ) und Claudia Heyne ("Täterinnen. Offene und versteckte Gewalt von Frauen").  

Doch so wichtig der Verweis auf Macht und Interessen, auf Kompetenzensicherung, Stellen und Lebensentwürfe für das Verständnis der Tatsache ist, daß sich auch in einer wissenschaftlichen Zivilisation realistische Sichtweisen und darauf aufbauende Präventionsstrategien nicht durchsetzen können, so unzureichend wäre er für sich allein genommen. Michael Bock, einer der Gutachter des Entwurfs zum jetzigen Gewaltschutzgesetz der Bundesregierung, hat in seinem Aufsatz "Häusliche Gewalt. Ein Problemaufriß aus kriminologischer Sicht" (Zuerst in der Zeitschrift "Der Bürger im Staat", Heft 1/2003 veröffentlicht, steht er nun auch im Internet unter: www.vafk.de/gewaltschutz ; dort in der Rubrik "Schlüsseltexte": www.lpb.bwue.de/aktuell/bis/1_03/gewalt.htm ) die andere irreduzible Komponente dieses Phänomens beschrieben:  "...In einer kultursoziologischen Perspektive läßt sich andeuten, wie sich auch und gerade in einer wissenschaftlichen Zivilisation dauerhaft Mythen halten können. Wie zu allen anderen Zeiten ist ein guter Mythos realitätsresistent, denn sonst hätte er sich nicht als Mythos etabliert. Er erneuert sich im Gegenteil permanent selbst, erzeugt gewissermaßen seine eigene Selbstbewahrheitung.  Beginnt man unten im Kreis der Selbstbewahrheitung (im Original ist eine Grafik beigegeben), so sieht man, daß es die geschlechtsspezifischen Befunde aus dem Hellfeld sind, die von Expertinnen und Medien und von unzähligen Propagatoren und Multiplikatoren zur stetigen Auffrischung des Mythos verarbeitet werden. Gebrochene Stimmen erzählen von Schmerz und Ohnmacht. Bilder zeigen Tränen, blaue Augen und verstörte Kinder. Dazu arrangiert man männliche Verbrechervisagen, ritterliche Polizisten und betroffene Moderatorinnen. So wird der Stoff des Mythos gewoben, so gewinnt er eine anschauliche, faßliche Gestalt, die ihn in den Gefühlen der Menschen verankert. Abscheu, Vergeltung, Haß und Rache, ein ganzes Arsenal archaischer Emotionen läßt sich alsdann einspeisen in den Strom politischer Programme, Reden, Schriften und Auftritte, gemäß deren Botschaft Gewalt in allen ihren Erscheinungen geächtet werden muß. Es sind diese archaischen Emotionen, die von der Politik einerseits mobilisiert und aufgenommen, andererseits aber auch bedient und befriedigt werden müssen. Pluralismus, Meinungsfreiheit, Opposition und die ganzen anderen Regeln der offenen Gesellschaft sind dabei außer Kraft gesetzt, denn wer wollte mit Argumenten und Fakten gegen Emotionen dieses Kalibers antreten. Er würde sich unweigerlich als heimlicher Komplize verdächtig machen. So entstehen Bekenntnis- und Handlungszwänge auf der einen Seite und Schweigespiralen auf der anderen Seite. Bei der Ächtung aller Gewalt kann es sich niemand leisten, abseits zu stehen. Also werden Gesetze gemacht wie das Gewaltschutzgesetz. Oder es werden die Regelungen für Platzverweise verschärft. Es müssen Aktionspläne formuliert und implementiert werden, es müssen die Curricula von Sozialberufen und die polizeilichen Dienstanweisungen entsprechend aufgerüstet werden, es müssen Fortbildungsveranstaltungen und Tagungen veranstaltet oder entsprechende Preise ausgelobt werden (Anm. 20: Beispielhaft seien hier die Präventionspreise genannt, die das Innenministerium Baden-Württemberg 2001 für die Kommunen mit den meisten 'Rote Karten' für gewalttätige Ehemänner ausgelobt hat). So kommt der Mythos schließlich auch bei denen an, nach deren Normalitäts- und Plausibilitätsvorstellungen auf den verschiedenen Stufen zivilrechtlicher, polizeirechtlicher oder strafrechtlicher Verfahren entschieden wird. Auch hier geht es nicht nur um rein kognitive Vorstellungen (häusliche Gewalt ist männliche Gewalt), sondern um ihre Verknüpfung mit Emotionen ('so etwas' ist einfach abscheulich) und Handlungsbereitschaften ('so einem' gebe ich kein Pardon). Ist der Mythos erst einmal in der beschriebenen Weise in den 'second code' eingedrungen, so wird noch einmal klar, wieso auf dem Weg vom Dunkelfeld ins Hellfeld (s. Abbildung 1) noch mehr männliche als weibliche Opfer auf der Strecke bleiben. Andererseits ist es auch nicht verwunderlich, daß die geballte Kraft der gesellschaftlichen und kriminalpolitischen Kampagnen insofern Wirkung zeigt, als mehr Frauen ermutigt werden, ihr Schweigen zu brechen, Anzeige zu erstatten und die angebotenen Hilfen auch anzunehmen. Polizisten, Ärzte, Freundinnen und Nachbarinnen sehen und tun, was sie sehen und tun sollen. Im Ergebnis kommt erneut nicht nur ein insgesamt größeres, sondern wiederum ein eindeutig geschlechtsspezifisches Hellfeld zustande, das mit 'wissenschaftlicher' Begleitforschung aufgearbeitet werden kann und erneut denjenigen Recht gibt, die schon immer gewußt haben wollen, daß alles noch viel schlimmer ist, wo man die Übeltäter zu suchen hat und daß noch weitaus mehr getan werden muß. Die nächsten Pressekonferenzen sind vorprogrammiert und eine neue Rückkoppelungsschleife in jedem endlosen Prozeß der weiteren Symbolisierung, Skandalierung und Aktivierung ist in Gang gesetzt, der den Mythos immer von neuem frisch, plastisch und gegen lästige Fakten immun hält."  

Auch Gerhard Amendt vom Bremer Institut für Geschlechter- und Generationenforschung hat jüngst diese Immunisierungsprozesse beklagt, als er die "national wie international schwerwiegende Kritik an ihren (sc. an denen einfältiger Gewaltforscherinnen und ihren Partnerinnen im Innenministerium) Methoden und Datenmanipulationen", die diese nicht mehr wahrhaben wollten, zur Sprache brachte ("Jetzt leiden sie wieder...", in: Die Welt, 24. 9. 2004). Dabei, so Amendt, erhielten die Forscherinnen (die vom Familienministerium seit Jahren vorzugsweise "weniger aufgrund von Motiven, die aus eigener Erfahrung oder zumindest aus einer im wesentlichen anerkennenden Haltung gegenüber Männern stammen, sondern vielmehr von Abschätzigkeit gegen alles Männliche beherrscht scheinen",  ausgewählt würden) ihr Geld ohnehin vom Familienministerium  mehr oder weniger auf Zuruf, denn es sei die Übereinstimmung über das gewünschte Forschungsergebnis, die zur Auftragsverleihung führe. Von den im obigen Einladungstext angekündigten, die genannte Pilotstudie "weiterführenden repräsentativen Studien zu Ausmaß, Hintergründen und Folgen von Gewalt gegen Männer" erwartet Amendt denn auch, daß nach Episoden, in denen Männer Gewalt erleiden, "mutig" "vor allem zwischen Männern außer Haus gesucht (wird), ganz vorsichtig nur nach dem, was sich in Partnerschaften ereignet"; dabei "wissen wir doch - nicht erst aus meiner Scheidungsforschung mit 3600 Männern -, daß allein in der Scheidungskrise, sicher einer der schwersten im privaten Leben, 64,4% der vielfältig abgestuften psychischen und körperlichen Gewalthandlungen von der Partnerin ausgehen, 14,8% von beiden und 14% von den Männern", und daß es "in 45% aller Fälle nicht nur ein- oder zweimalige Entgleisungen" sind, "sondern längere Zeit währende Handgreiflichkeiten" (ebd.; Lit.: Gerhard Amendt, Scheidungsväter, IGG Uni Bremen 2004 - www.igg.uni-bremen.de ). Den Vorwurf der Irrelevanz und Wirklichkeitsfremdheit der empirischen Forschung in Deutschland ergänzt Amendt in "Psychologie heute" (Juli 2004, S.55) um die Feststellung: "...Umso heftiger wird um die Deutungshoheit über ausländische Forschung gestritten und die hochselektive Eigenbeforschung in staatlich finanzierten Frauenhäusern fantasievoll auf die Bevölkerung hochgerechnet." 

Und wenn Amendt Recht darin hat, daß für die "parteiliche" genderfeministische Gewaltforschung und für die dazugehörende parteiliche Beratung, parteiliche Sozialpädagogik und Psychotherapie für so genannte Opfergruppen das Feindbild vom Mann und den Jungen entwickelt wurde, demzufolge Frauen Opfer und friedfertig sind und das Geschlechterarrangement im Übrigen ein nackter Gewaltzustand ist, dann darf man in der Unverfrorenheit, mit der Frauengewalt in Werbespots zunehmend ästhetisiert wird (so läßt z.B. Ikea einen Mann von einer Frau aus dem fahrenden Auto stoßen und auf diese Weise - Frauen - "die Möglichkeiten entdecken"), und in der Bedenkenlosigkeit, mit der in Filmen rabiate Fernseh-Kommissarinnen oder gute Hexen wie Buffy, Xena oder Frauen wie Charlies Engel und Lara Croft (die Männer als hirnloses Material ohne Schmerzempfinden massenweise entsorgen) heroisiert werden, wohl das folgerichtige Aufkeimen einer Gewaltsaat erblicken. 

Das gesellschaftliche Klima ist offenbar schon so aufgeheizt, daß eine Stadt wie Frankfurt an der Oder es als eine witzige Kultureinlage verstanden wissen will, für ihren neuen Marktbrunnen eine Skulptur in Auftrag gegeben zu haben, die eine auf ihren am Boden kauernden Ehemann eindreschende Frau darstellt. Der hält in der einen Hand die Bierpulle, in der anderen das Handy. Nebenbei übergibt er sich. "...'Grund des Desasters ist, daß der Gute eine Sexnummer anwählte', beschreibt der Künstler (Horst Engelhardt) die drastische Szene - und lacht wieder schallend" (aus der  Lokalzeitung "Märkischer Markt" im Landkreis Oder-Spree, Ausgabe vom 16./17. 10. 2002).   

Die  b ö s e  Gewalt bleibt dagegen für Männer reserviert. Deswegen wohl bleiben sie, wie M. Bock in seinem Gutachten zum Gewaltschutzgesetzes-Entwurf 2001 (zu finden unter: www.vafk.de/gewaltschutz ; dort in der Rubrik "Meilensteine": www.vafk.de/themen/expanhbock.htm ) befand - zusammen mit Senioren und Kindern - "ohne jeden Schutz" vor Frauengewalt "und zwar dauerhaft, weil weder irgendwelche Forschungen über ihre Situation noch irgendwelche sozialen Hilfsmaßnahmen geplant sind". "Bei den flankierenden Maßnahmen", so Bock weiter, ist - "wenn überhaupt" - "eine 'Täterarbeit' vorgesehen, bei der Männer und nur sie sich mit den Mustern ihres gewalttätigen Verhaltens auseinanderzusetzen haben, d.h. aber notabene: nicht partnerschaftsbezogen, sondern als einseitiges soziales Training, während für Frauen als Täterinnen nicht einmal diese Art von Maßnahmen vorgesehen ist." Die Maßnahmen des Gewaltschutzgesetzes wirkten dementsprechend "kontraproduktiv in Bezug auf alle nachhaltigen Verhaltensänderungen der Beteiligten, weil sie die Voraussetzungen der erforderlichen gemeinsamen Therapie oder Mediation systematisch zerstören." 

Im Blick auf die für Kinder zum Teil verheerenden Folgen der Trennung von einem Elternteil sagt Bock: "Das neue Gewaltschutzgesetz stellt den ausgrenzenden Müttern ein erheblich einfacheres Werkzeug zur Trennung der Kinder von den Vätern zur Verfügung. Die bekannten Rituale der Umgangsvereitelung werden um die falsche Gewaltbeschuldigung erweitert werden."

  Der Gutachter resümiert: "...Es (sc. das Gewaltschutzgesetz) fördert nicht den konstruktiven Dialog der Geschlechter, sondern ist ausschließlich auf Enteignung, Entmachtung, Ausgrenzung und Bestrafung von Männern gerichtet. Sein Ziel ist nicht, häusliche Gewalt zu bekämpfen, sondern nur Männergewalt. Geschützt werden sollen nicht alle in häuslicher Gemeinschaft lebenden Menschen oder gar Ehe und Familie, sondern nur Frauen. Mit diesem Grundtenor wird das Gesetz auf jede Art von Lebenspartnerschaft eine zersetzende Wirkung ausüben und damit nicht nur die demographische Entwicklung negativ beeinflussen, sondern auch die Lebensqualität der Bürger und die gesellschaftliche Integration. Ich empfehle daher dem Deutschen Bundestag nachdrücklich, den Gesetzesentwurf der Bundesregierung insgesamt abzulehnen."  

Daß es in der Gendermainstream - Politik mit zu vielen irrationalen Dingen zugehen muß, zeigt sich auch darin, daß die Bundesregierung in ihrem Gesetzesentwurf zum Gewaltschutzgesetz mit keinem Wort auf die schon längst bekannt gewesene Problematik einging, daß sie sich in der Mehrzahl auf "klinische" Studien oder auf "Kriminalitätsstudien" (wie sie schreibt) stützt, obwohl sie - im Gegensatz zu den über hundert internationalen Dunkelfeldstudien, die belegen, daß Frauen in Partnerschaften genauso oft gegenüber ihren Männern Gewalt anwenden wie umgekehrt (wobei in einer Metaanalyse des britischen Forschers John Archer, in die 82 Untersuchungen eingingen, von 1113 aufgeführten Verletzungen 65% von Männern und nicht weniger als 35% von Frauen zugefügt wurden; s. Peter Düweke, "Das Schweigen der Männer", in: Psychologie heute, Juli 2004, S.54) -  als Hellfeldstudien   n i c h t   r e p r ä s e n t a t i v   sind, weil sie nur (polizeilich, ärztlich etc.) öffentlich gemachte Fälle berücksichtigen (Gutachten M. Bock).  

Irrational ist es ferner zu nennen, daß sich offizielle Kampagnen "gegen Männergewalt", wie das Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt (BIG), dem die besondere Unterstützung der Familienministerin Christine Bergmann galt, auf Angaben stützte, die völlig aus der Luft gegriffen waren. Wie Sabine Beppler in dem oben genannten Internet-Beitrag (s. Link) schreibt, "(müssen) selbst Verfechter der Kampagne...zugeben, dass ihre Zahlen, jede dritte Frau erleide häusliche Gewalt, durch keine Statistik zu belegen sind. Bekannt ist lediglich, dass jährlich 2500 'seelisch und körperlich misshandelte Frauen' Zuflucht in den sechs Berliner Frauenhäusern suchen - das sind weniger als 0,2 Prozent der in Berlin lebenden Frauen...Die Behauptung, in Deutschland sei jede dritte Frau von häuslicher Gewalt betroffen, ist eine fast hundertfache Übertreibung und abstruse Konsequenz eines inflationären Gebrauchs des Gewaltbegriffs...". Dementsprechend wirkt sich eine solche "Sensibilisierung" des öffentlichen Bewußtseins laut dem Resümee Bepplers auf das gesellschaftliche Klima aus: "Die neue Sensibilisierungskampagne gegen häusliche Gewalt betrachtet persönliche, intime menschliche Beziehungen zunehmend als inhärent bösartig. Streit und Versöhnung sind keine Privatangelegenheiten mehr, sondern staatsanwaltschaftlich zu verfolgende Kriminalität...Der Kampf gegen häusliche Gewalt hilft niemandem. Er dient lediglich dazu, weiteres Misstrauen zwischen den Geschlechtern zu schüren." 

Dieselbe Art der Irrationalität zeigt sich auch in der Beschimpfung durch eine SPD - Abgeordnete, die Prof. Bock für seine Ablehnung des Gewaltschutzgesetzes fünf Minuten lang über sich ergehen lassen mußte, darin, daß sogar seine Auftraggeber, die CDU, ihm im damaligen Rechtsausschuß "Fragen gestellt (haben), mit denen andere punkten konnten" (Wiesbadener Tagblatt, 3. August 2001). Aber sie tritt auch in quasi sekundärer Form auf, und zwar in der von Bock selbst so genannten "Feigheit" und im "Opportunismus" vieler seiner Kollegen, die ihn - einen von elf Sachverständigen - mit seiner Ablehnung des Gesetzesentwurfs allein ließen.

Und ich selbst habe Ressentiment persönlich in der Mißachtung meiner Person erlebt, als die beim Gewaltschutzgesetz federführend gewesene Herta Däubler-Gmelin auf jenem Tübinger Symposium "Religion - Gewalt - Frieden", angesprochen auf die scharfe Diskrepanz zwischen ihren Zahlen und denen der Dunkelfeldstudien, mir die Zusendung ihrer Quellen zwar versprach, dann jedoch durch ihr Wahlkreisbüro ausrichten ließ, es sei "leider auch im Berliner Büro nichts vorrätig, was Ihnen weiterhelfen könnte."

Als jemand, dem gerade aufgrund der dargestellten faktenresistenten Deutung empirischer Ergebnisse und aufgrund einer sich durch sie verfestigenden Haltung ideologisch begründeter Selbstüberhebung unter Zuhilfenahme von Kommunikationsverweigerung massive Gewalt von Frauen bzw. in ihrem Namen zugefügt wurde, möchte ich Sie bitten,  die Kommunikation mit in dieser Sache Andersdenkenden aufrechtzuerhalten - denn  die Selbstabschließung gegen sie wäre gerade nach der Definition Herrn Moltmanns ja Sünde. Und Christen "leben aus der Sündenvergebung, d.h. sie wissen sich beständig auf die Bewahrung vor der durch sie selbst verursachten Desorientierung und Schädigung angewiesen" (Michael Welker, Der heilige Geist, in: Evangelische Theologie 1989, 141). 

Ihrer besonderen Aufmerksamkeit empfohlen seien in diesem Zusammenhang auch die Erkenntnisse von Günter Hole, einem Psychiater und Fachmann u.a. für Religionspsychopathologie, der schreibt:  "Wir alle - und erst recht dann, wenn wir sehr von ideellen Werten, Glaubensinhalten und Vollkommenheitsimperativen fasziniert sind wie im christlichen Raum - haben in uns solche Neigungen zu fundamentalistischen Einstellungen. Und sehr leicht machen sich dann auch verborgene fanatische Anteile bemerkbar, die viele von uns ebenfalls in uns tragen, zumindest als Anfälligkeit in diese Richtung...Wir haben uns zu schulen, deutlich wahrzunehmen und zu akzeptieren, wie weit wir selbst Anteile und Neigungen fundamentalistisch-fanatischer Art in uns beherbergen, speziell in der Tendenz, die individuelle und kollektive Wertwelt nach einem ganz bestimmten Einzelwert auszurichten. Wir haben eingangs schon solche Werte von z.T. hohem Rang genannt...Auffällig, und insofern auch besonders alarmierend, ist in solchen Fällen allemal, daß es sich um hochgeschätzte Werte handelt. Dementsprechend haben die Betreffenden auch kein Unrechtsbewußtsein, im Gegenteil, sie kämpfen subjektiv eben für das Gute und das Richtige. Ein wesentlicher Vorgang hierbei ist offenbar, daß auch ein differenziertes Über-Ich, um es in der Sprache der Psychologie zu sagen, durch Ideologie gleichgerichtet oder gleichgeschaltet werden kann, indem andere, bisher gleichrangige Werte auf niedrigere Ränge verwiesen werden...Diese Ideologieanfälligkeit unserer höchsten Wertregulative, also des Über-Ich oder des Gewissens...ist für mich eines der beklemmendsten Phänomene. Sie hängt zutiefst mit unserer Hochschätzung des Ideellen und des Vollkommenen zusammen und ist gerade im christlichen Raum viel zu wenig bearbeitet. Die Begeisterungsfähigkeit des Menschen, seine Fähigkeit, sich mitreißen zu lassen, bedeutet jedenfalls nicht nur die Möglichkeit zum Höhenflug, sondern auch zum tiefen Sturz ins Inhumane. Und daß unser Wertgefüge gerade über die ausgesprochen ideellen Werte so infizierbar ist, wirft besonders brisante Fragen hinsichtlich unserer christlichen Imperative auf.   Wir brauchen nach all dem Gesagten dringend bessere Erklärungs- und Verstehensmodelle für diese Vorgänge. Sie müssen populär gemacht werden können mit dem Ziel der Bewältigung oder der Verhinderung destruktiver Entwicklungen aus fanatischen Anteilen heraus..."  (Günter Hole, Fundamentalismus - Dogmatismus - Fanatismus. Psychiatrische Perspektiven, in: Concilium 1992, 213-221, 214f).

Es erinnert durchaus an das von Hole beschriebene spezifische Bedürfnis fanatisch gestimmter Persönlichkeiten, die eigenen (auch bei normalen Menschen nie ganz vermeidlichen) Zweifel an der von ihnen vertretenen Überzeugung niederzuhalten, indem sie sie in der Projektion, also bei anderen, bekämpfen, wenn Gewaltforscher wegen ihrer abweichenden Ergebnisse wie im folgenden Bericht angegangen werden:  "... Das Stigma, Gewaltneigung sei eine typisch männliche Eigenschaft, sollte endgültig passé sein. Doch weit gefehlt. Nachdem Suzanne Steinmetz 1978 ihre Ergebnisse unter dem Titel 'The Battered Husband Syndrome' publiziert hatte, wurde sie von Feministinnen hart angegriffen und mit anonymen Telefonanrufen belästigt. Sie erklärte daraufhin zu Recht, sie fände es 'ironic', daß dieselben Frauen, die fraueninitiierte Gewalt prinzipiell zur Notwehr erklärten, derart schnell Gewalt gegen Menschen ausübten, die nur eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht haben." (Peter Köpf, Alexander Provelegios, Der Winterschlaf der Männer ist vorbei, Stuttgart 2000, 141).

Der Gipfel des Fanatismus ist erreicht, wenn er lebensbedrohlich wird. Leider gibt es auch hiervon im Zusammenhang der Gewaltdebatte Kunde:  "... Erste Befragungen, die er (sc. Richard Gelles von der Pennsylvania School of Social Work) von 1976 an mit Suzanne Steinmetz und Murray Straus unternahm, brachten die Erkenntnis, daß die Häufigkeit von Gewalt erwachsener Frauen gegen erwachsene Männer genauso groß war wie die Häufigkeit von Gewalt von Männern gegen Frauen. Als Murray Straus 1977 bei einer Konferenz zum Thema "Gewalt gegen Frauen" diese Ergebnisse darstellte, wurde er beinahe vom Podium gestoßen und ausgebuht. Als Suzanne Steinmetz in einer Fachzeitschrift darüber schrieb ('The battered husband syndrome'), erschien der Artikel mit einer kritischen Anmerkung der Redaktion. Jeder der drei erhielt Morddrohungen. Bibliothekare erklärten öffentlich, die Bücher der drei nicht zu bestellen..."  (Peter Köpf, Alexander Provelegios, aaO., 137f.) 

Helfen Sie also mit, den Ungeheuer gebärenden Winterschlaf der Männer zu beenden, ihr "Schweigen wie Lämmer" zu brechen, und bekennen sie sich als Mann zu ihrem Viktimisiertsein, wo es vorliegt. Nicht, wer keinen Erfolg darin hat, aus eigener Kraft der Gewalt zu entgehen, sondern wer sie hinnimmt und sich mit ihr abfindet, obwohl er nach Hilfe rufen könnte, oder wer sich scheut, sein Dasein als Opfer überhaupt wahrzunehmen, ist in Wahrheit ein "Waschlappen" und ein "Weichei". Opfer müssen ihre Stimme erheben, um ein Bewußtsein für sich als sozialpolitische Zielgruppe schaffen und so ihre Lage bessern zu können. 

Überlassen Sie Ihre Meinungsbildung, gerade wenn Sie die berechtigten Anliegen des Feminismus teilen, nicht hörensagend einer passiven Ausrichtung durch den herrschenden Gender-Mainstream noch wirklichen oder angemaßten Autoritäten, von denen   m a n   sich in blindem Vertrauen auf deren objektiven Sachverstand leiten bzw. indoktrinieren, ja verhetzen und letztlich auch noch  täuschen und grausam verletzen lassen könnte (daß  Jürgen Moltmann mit seiner damals im Tübinger Theologikum vor einer zahlreichen Zuhörerschaft aufgestellten - und von mir am 29.03.2003 im Tübinger "Schwäbischen Tagblatt" ausdrücklich zur Sprache gebrachten -  jovial-zynischen Behauptung, es gebe "praktisch   k e i n e   männlichen Opfer von häuslicher Gewalt", sondern nur Männer, die sich in Kneipen zusammenfänden, um gemeinsam grundlos über ihre Frauen herzuziehen, sogar die von der Bundesregierung, der UNO und von NGOs verbreiteten Zahlen, nach denen es diese männlichen Opfer durchaus gebe - mit denen zu operieren allerdings auch die feministische Forscherin Barbara Kavemann als den größten Stuß bezeichnet -, einfach vom Tisch wischen konnte, muß im Blick auf die von Günter Hole angesprochene Ideologieanfälligkeit unserer höchsten Wertregulative m.E. sehr zu denken geben. Zumal ihm auch durch die eingangs erwähnte, vom Bundesfamilienministerium schon 2002 in Auftrag gegebene Pilotstudie zum Thema "Häusliche Gewalt gegen Männer" hätte bekannt sein sollen, daß selbst in höchsten Regierungsstellen Frauengewalt keineswegs mehr für eine Seltenheit gehalten wird). Glauben Sie nicht an eine selbstlose Hingabebereitschaft der Frau "als solcher" zugunsten des Ganzen (die es bei uns Männern sowieso nicht gibt), informieren Sie sich selbst, entmythologisieren Sie die Gewaltdebatte, und zeigen Sie nötigenfalls "Tapferkeit vor der FreundIn"!    

Mit freundlichen Grüßen

 

Uwe Brauner

Zusammenfassend noch einige Internet-Adressen zum Thema:

www.vafk.de

www.maennerrat.de

www.vaeter-aktuell.de

www.maennerzeitung.de

www.maennerberatung.de

www.maennerbuero-trier.de

PS: Keine Geringere als "die mehrfach als Kandidatin für den Nobelpreis gehandelte Autorin Doris Lessing ('Das goldene Notizbuch') beklagt die Abwertung von Männern in unserer Gesellschaft und fordert diese auf, sich gegen ihre sinnlose Erniedrigung zu wehren. Männer seien das neue stille Opfer im Krieg der Geschlechter. Lessing: 'Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, daß sie kaum noch wahrgenommen wird.' Eine denkfaule und heimtückische Haltung, die sich der Frauenbewegung bemächtigt habe, laufe inzwischen auf nichts anderes hinaus, als auf Männer einzudreschen. Als Beispiel nennt Lessing ihr Erlebnis in einer Schulklasse, in der die Lehrerin ihren neun- bis zehnjährigen Schützlingen die Ideologie vermittelt habe, daß beispielsweise an Kriegen allein das männliche Geschlecht die Schuld trüge. 'Man konnte sehen, wie die Mädchen selbstzufrieden und eingebildet bis zum Platzen waren, während die Jungen zerknirscht dakauerten, sich für ihre Existenz entschuldigten und dachten, daß nach diesem Muster ihr weiteres Leben ablaufen würde.' Lessing führt aus, daß Dinge wie diese an Schulen die Regel sind und es niemand wage, dagegen die Stimme zu erheben, um nicht als Verräter am Feminismus gebrandmarkt zu werden. 'Es ist Zeit, daß wir uns fragen, wer eigentlich diese Frauen sind, die ständig die Männer abwerten. Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren, und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, daß sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun.'"  (Arne Hoffmann, Sind Frauen bessere Menschen? Plädoyer für einen selbstbewußten Mann, Berlin 2001, 601; s.a. ders., "Häusliche Gewalt ist weiblich": www.novo-magazin.de/45/novo4522.htm ).

 
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Stand: 23. Februar 2010

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