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Reflexionen

 

Tabuthema Frauengewalt

Ein Beitrag aus theologisch - feministischer Sicht

Warum ist Frauengewalt ein Tabuthema? Die Gründe dafür sind vielschichtig. 

Nachfolgend werden einige genannt:

1. Tabuisierung von Frauengewalt: Diese besteht in erster Linie in der Weigerung, Frauengewalt als solche wahrzunehmen.

2. Gründe für die Leugnung von Frauengewalt: Idealisierung von Frauen und Lesben; Traum von der Solidarität aller gegen das Patriarchat kämpfenden Frauen; Verteilungskämpfe, Machterhalt; Präsenz von Täterinnen in der Frauenbewegung; Gewalt von Frauen gegen Frauen.

3. Feministische Theorien und Verschleierung von Frauengewalt: Die der Dominanzkultur angehörende feministische Theorie; Gleichsetzung von Gewalt als Männergewalt; Idealisierte Frauen- und Mutterbilder; Leugnung von einem Machtgefälle unter Frauen; Angst vor dem Backslash, diese Abwehrhaltung blockiert eine Auseinandersetzung.

Quelle:

Birke, Susanne Andrea (2000): Kein sicherer Ort - Tabuthema Frauengewalt. FAMA. - Feministisch - theologische Zeitschrift  Nr. 3, 16. Jahrgang, S. 13 + 14.

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Patriarchatsthese unter der Lupe

- Überprüfung der Power-Control Theory

"Was diesen strukturellen kriminologischen Ansatz aus dem Gros der kriminologischen Theorien heraushebt ist, dass hier darauf bestanden wird, dass Kriminalität in Bezug auf Machtbeziehungen verstanden und analysiert wird."

Feministischer Theorie zufolge, ist familiäre Gewalt gegen Frauen und Kinder (und nur gegen diese; Männer und andere Familienangehörige sind davon ausgenommen) aufgrund gesellschaftlicher patriarchalischer Machtstrukturen gegeben. Anhand der Überprüfung der Power Control Theory (Schmitt 2001) wird diese zentrale Annahme feministischer Theoriebildung widerlegt bzw. weist auf deren eingeschränkte Gültigkeit hin. 

Schmitt, Stefan (2001): Geschlecht und Kriminalität – Eine empirische Analyse der Power-Control Theory. In: Eifler, Stefanie et al. (Hrsg.): Soziale Probleme, Gesundheit und Sozialpolitik. - Gelegenheitsstrukturen und Kriminalität. Materialien und Forschungsberichte der Universität Bielefeld, Nr. 2, S. 84 ff.

Die folgenden Textstellen sind Zitate des o.g. Artikels von Stefan Schmitt.

"Die Power-Control Theory wurde in den 1980er Jahren des letzten Jahrhunderts von den Sozialwissenschaftlern John Hagan, John Simpson und A.R. Gillis in den USA entwickelt. Sie entwickelten einen strukturellen Rahmen für die Analyse der Beziehungen zwischen Geschlecht und Delinquenz: Die Power-Control Theory."

"Die soziologische Prämisse, unter der Hagan u.a. arbeiten, lautet mit Bezug auf Karl Marx folgerichtig, dass die Bedeutung und die Erklärung von Kriminalität in der Sozialstruktur zu finden ist. Die Theorie ist insofern eine Weiterentwicklung marxistischer Gedanken und keine bloße Umdeutung auf einen anderen Themenbereich, als die Power- Control Theory nicht nur ökonomische Ungleichheiten fokussiert, sondern verschiedene Konzepte heranzieht, um delinquentes Verhalten zu erklären. Was diesen strukturellen kriminologischen Ansatz aus dem Gros der kriminologischen Theorien heraushebt ist, dass hier darauf bestanden wird, dass Kriminalität in Bezug auf Machtbeziehungen verstanden und analysiert wird."

„Interessanterweise wird, wenn von der ‚Kriminalität’ gesprochen wird, häufig implizit männliche Kriminalität gemeint" [Hervorhebung im Original] (Kerschke-Risch 1993). Dies verdeutlicht, dass einerseits ganz allgemein über Ursachen von Kriminalität gesprochen wird, andererseits Kriminalität bei Frauen als Ausnahme oder gar als Verirrung angesehen wird."

"Eine Vielzahl von oft sehr widersprüchlichen Erklärungsansätzen versucht, Ursachen von Kriminalität zu benennen. Als Grundlage der Untersuchungen dienen meist offizielle Kriminalstatistiken, in denen jedoch nur polizeilich registrierte Delikte bzw. Täter erscheinen; die Anzeigebereitschaft ist aber von so unterschiedlichen Faktoren wie Zeit, sozialem Status, Geschlecht oder Ort abhängig, viele Delikte werden gar nicht zur Anzeige gebracht."

"Auffällig ist, dass die jungen Frauen die jungen Männer anteilsmäßig und absolut in bezug auf self-reported delinquency überholt haben."

"Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass zwar eine Tendenz im Sinne der Power-Control Theory zu erkennen ist, die Auswirkungen der vermuteten Zusammenhänge aber nicht signifikant sind und die Anwendung der Power-Control Theory auf die vorliegende Stichprobe somit kein geeignetes Werkzeug ist, ausgehend vom Geschlecht die Delinquenzrate zu erklären."

Artikel: download

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Wir haben viel Porzellan zerschlagen
Der Feminismus und seine Folgen
Von Astrid von Friesen

SWR2 Eckpunkt    - Sendung 07.04.04

Die persönlichen Reflektionen einer Journalistin und Therapeutin über ihre Vergangenheit als aufmüpfige, linke und feministische junge Frau und die Folgen dieses Emanzipationskampfes: auf der positiven Seite mehr Gleichberechtigung, größere Freiheiten, starke Präsenz in der Öffentlichkeit, auf der negativen Seite viel Leid in den Beziehungen, die Aussonderung der Väter aus den Familien und in der Generation der 30-Jährigen viele devote, verängstigte Männer, die stumm leiden. Astrid von Friesen geht der Frage nach: Was haben wir Frauen falsch gemacht, wie ist es zu dieser Verunsicherung der Männer und zu der nörgelnden Unzufriedenheit vieler Frauen gekommen und was können wir für eine Emanzipation beider Geschlechter tun. Download Manuskript.

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Genderized Power

 

Warum Männer passiv (schweigen) und Frauen aktiv (reden, Politik machen) sind, dieser Frage geht G. Amendt in seinem Artikel "Genderized Power" nach.

 

Zusammenfassung

Die Geschlechter unterscheiden sich nicht dadurch, dass das eine machtlos und das andere machtvoll ist, und beide in einem Verhältnis von Opfer und Täter zueinander stehen. Es gibt vielmehr genderized power, mit der Männer und Frauen auf ihre je besondere Weise das Geschlechterarrangement weitgehend unbewusst gestalten. Der Autor sieht zarte Ansätze einer Männerbewegung, die sich allerdings weniger ihrer genderized Macht bewusst werden will, als das sie diese dadurch zu bestätigen versucht, dass sie die Kritik der Frauenbewegung aufnimmt und deren starkes Lamento über die Verruchtheit der Männer als Aufforderung deutet, das alte nur besser zu machen. Und dadurch ihre alte Macht bestätigt und das Geschlechterarrangement in beidseitiger stillschweigender Übereinkunft fortsetzen soll.

 

download des Artikels

 

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Geschlechterdemokratie 

- Widersprüche bei Frauen und Männern

RAINER VOLZ / PETER DÖGE

 taz Nr. 6986 vom 21.2.2003, Seite 12, 234 Zeilen (Kommentar), 
RAINER VOLZ / PETER DÖGE,  taz-Debatte (Quelle)

Angst vorm neuen Mann?

Die Frauen sollten endlich aufhören, über die Männer zu jammern. Stattdessen gilt es, einen kritischen Geschlechterdialog zu führen. Das Ziel: Chancengleichheit für Männer

Die beste Frauenförderung ist " … die Emanzipation des Mannes", meint die Frauen-und Familienministerin Renate Schmidt. Dies bedeute vor allem, dass der Mann sein "Vatersein auch praktisch annimmt". Nur 2 Prozent derjenigen, die Elternzeit nehmen, sind Männer. Doch die Geschlechterpolitik unseres Familienministeriums liegt praktisch brach. Eine Werbekampagne, die Vätern ihre Familie nahe bringen soll, ist ehrenwert, doch rennt die Ministerin mit ihr offene Türen ein: Der aktive Vater ist bereits Trend. Fast 40 Prozent der deutschen Männer sind nach den Ergebnissen der letzten großen Männerstudie an einer aktiven Vaterschaft interessiert. Sie müssen nicht überzeugt werden. Sie müssen sich das aktive Bevatern nur leisten können, und das nicht nur in finanzieller Hinsicht.

Denn: Selbst in den skandinavischen Ländern mit ihrer großzügigen Unterstützung der Erziehungszeit lässt sich beobachten, dass noch immer überwiegend Frauen die Kinder betreuen. Die schwedische Familienkommission hat das Phänomen untersucht. Zentrale Blockaden für aktive Väter, so das Ergebnis, sind: Vorurteile bei Vorgesetzten und Kollegen, aber auch bei Kolleginnen und sogar bei den eigenen Partnerinnen. Sie stellen die Fürsorgekompetenz ihrer Männer in Frage. Nach Ansicht der schwedischen Frauenforscherin Ulla Björnberg wurde gerade diesem Umstand bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit eingeräumt.

Hier deutet sich an, was unsere Forschung bestätigt: eine höchst ambivalente Einstellung von Frauen gegenüber einer Neuverteilung der Familienarbeit. Wollen Frauen den neuen Mann überhaupt? Mit dieser Frage unterstellen wir nicht, dass allein Frauen daran "schuld" seien, dass sich Männer nicht ausreichend im Haushalt engagieren. Aber die kritische Analyse traditioneller Geschlechterbilder in den Köpfen von Männern und Frauen muss grundlegender Bestandteil jeder Geschlechterpolitik sein. Nur so tappt sie nicht in die Falle sich selbst bestätigender stereotyper Rollenklischees und kann dazu beitragen, diese aufzulösen.

Daten aus verschiedenen europäischen Ländern, die wir in unserer Studie analysiert haben, zeigen eine Reihe von Widersprüchlichkeiten. Nicht nur bei Männern, auch bei Frauen findet sich "verbale Aufgeschlossenheit bei bestehender Verhaltensstarre" - um die Lieblingsbeschreibung der vormaligen Frauenministerin Bergmann zu gebrauchen. So schätzen sich Frauen noch immer als kompetenter in Haushaltsfragen ein. Einige der befragten Frauen begegnen einem größerem Engagement ihrer Männer im Haushalt gar mit Unbehagen. Zudem ist auch die Einstellung zum aktiven Vater ambivalent: Diesen Typus, verkörpert durch den viel gepriesenen "neuen Mann", finden Frauen zwar "sympathisch". Doch gleichzeitig sind erschreckend viele von ihnen der Ansicht, dass diese Rolle nicht "wirklich" zu einem Mann passe. Sie empfinden sie als unmännlich.

Zudem sprechen viele Frauen den Männern schon vor der Geburt des Kindes die Fürsorgekompetenz ab und kümmern sich daher lieber selbst um das Kind; der Mann wird zum Assistenten degradiert. Insbesondere in traditionellen Arbeitermilieus zeigt sich ein großes Interesse von Frauen an einem "starken" Mann. Diese Frauen sind auch keineswegs an der Aufnahme einer Erwerbsarbeit interessiert, selbst bestimmte Hausarbeit wird vielmehr als Chance gesehen, monotoner und unqualifizierter Arbeit zu entkommen. Einer schwedischen Untersuchung zufolge plädieren gar die Männer nach der Geburt eines Kindes eher für eine Vollzeittätigkeit ihrer Frauen, während diese mehr an Teilzeit interessiert sind. Auch in der Bundesrepublik finden Mütter und Väter mit Kindern bis zu neun Jahren ein Vollzeit-Vollzeit-Modell nicht wünschenswert, rund zwei Drittel der befragten Frauen wollen Teilzeit arbeiten.

Widersprüche bei Frauen und Männern in ihren Rollenbildern zeigen sich auch bei den allgemeinen Zuschreibungen im Vergleich zu den konkreten Alltagserfahrungen. So halten laut einer Allensbach-Umfrage sechs Zehntel der Frauen Männer generell für durchsetzungsfähig, aber nicht einmal jede zweite entdeckt diese Eigenschaft bei ihrem Partner. Auf der anderen Seite glauben fast acht von zehn Männern, dass Frauen zärtlich sind, aber nur etwa vier Zehntel sehen diese Eigenschaft bei ihren Frauen.

Will Geschlechterpolitik nicht stereotypen Vorstellungen oder Wunschbildern von Geschlechtern aufsitzen, muss sie sich diesen empirisch nachgewiesenen Ambivalenzen und Widersprüchen stellen. Ihr Ziel muss sein, im Sinne des Gender-Mainstreaming-Prinzips in allen gesellschaftlichen Bereichen herkömmliche und einengende Geschlechterbilder in Frage zu stellen. Das beginnt schon in der vorschulischen Erziehung. Jungen und Mädchen brauchen hier auch männliche Vorbilder, die ihnen zeigen: Auch Männer haben Fürsorgekompetenz. Ergänzend dazu muss endlich ein Förderprogramm für Männer in so genannten Frauenberufen her. Damit würde die Förderung von Frauen in so genannten Männerberufen ergänzt. Männern, die Erziehungszeit in Anspruch nehmen wollen, könnte auf betrieblicher Ebene mit einem verpflichtenden Papa-Monat der Rücken gegenüber ihren Chefs gestärkt werden.

Auf die geschlechterpolitische Tagesordnung gehört endlich auch wieder das Thema Arbeitszeitverkürzung - nachdem schon die Chance für eine Debatte der Vorschläge der Hartz-Kommission verpasst wurde. Bereits ein Sechstel der bundesdeutschen Frauen wünschen sich ein Teilzeit-Teilzeit-Modell mit ihrem Partner. Und die niederländische Teilzeitkultur hat dazu geführt, dass sich auch Männer ein Leben jenseits eines Vollzeitjobs vorstellen können.

Diese Ansätze werden aber nur dann Erfolg haben, wenn sie den Alltag der Geschlechterverhältnisse einbeziehen. Geschlechterpolitik kann nur als kritischer Geschlechterdialog angelegt werden. Das heißt: Die Geschlechterpolitik eines Gleichstellungsministeriums müsste gemeinsame Lernprozesse bei Männern und Frauen anstoßen und nicht auf ein Geschlecht fixiert bleiben. Denn diese alte Konfrontationslinie basiert selbst auf Stereotypen.

Eine "Ombudsstelle für Chancengleichheit" möchte die Frauenministerin nun einrichten. Eine solche Stelle, die auf Geschlechterungleichheiten achtet, ist eine Chance für einen kritischen Geschlechterdialog in der Öffentlichkeit - allerdings nur, wenn sie paritätisch besetzt wird: mit einer Frau und einem Mann. In einem kritischen Geschlechterdialog müssen beide ihre gegenseitigen widersprüchlichen Erwartungshaltungen reflektieren. Ohne einen solchen kritischen Geschlechterdialog wird Geschlechterdemokratie nicht zu realisieren sein: download der Studie.

 

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Rainer Paris (1998): Über das Keifen. In: Stachel und Speer. Machtstudien. Suhrkamp, S. 212 - 225.

Neue Zürcher Zeitung
Hinweise auf Bücher 

... Wer keift? Frauen und Alte, vor allem alte Frauen; Belegstellen finden sich bei den Brüdern Grimm, bei Shakespeare und anderswo. Die Frage, ob auch Männer keifen, ist nicht leicht zu beantworten, obwohl ein aggressives Abspulen von Ärger und Abwehr auch bei Männern vorkommt. Die Intentionen mögen sich gleichen, aber die Expression ist verschieden. Kurz: Frauen keifen, Männer bellen (zurück). Keifen und Bellen sind als Unterkapitel im «Drama der erkalteten Liebe» zu verstehen. Nicht ungern lässt man sich von Rainer Paris' assoziativer Alltagssoziologie zum «Zieren, Zicken und Zetern» weiterführen.

 
Copyright © 1998 - 2007 Talisman Männerbüro Trier e.V.
Stand: 20. März 2007

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