Jungentag Hermerkeil 2004 + 2009 Jungenarbeit in Dresden
Arme Jungs Kontroverse -Jungen-/Mädchenarbeit
Sieger und Verlierer in der Schule Befund Ungleichheitsforschung

Ungleichheitsforschung

«In der soziologischen Ungleichheitsforschung ist es ein bekannter Befund, dass Mädchen im Zuge der Bildungs­expansion ihre ehemals existierenden Nachteile gegenüber Jungen mehr als ausgeglichen haben. Schon von daher - also in Abwesenheit von diesbezüglichen Nachteilen macht es keinen Sinn, von einer Benachteiligung von Mädchen im Bildungssystem, die sich in ihren Folgen für die Bildungskarriere empirisch fassen ließe, zu sprechen. Der Topos der angeblichen Benachteiligung von Mädchen bzw. der Bevorzugung von Jungen gehört in den Bereich der symbolischen Politik, nicht jedoch in den empirischer Forschung.»

Dr. Heike Diefenbach, Soziologin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, in Walter Hollstein (2004): Geschlechterdemokratie.

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J U N G E N T A G 2 0 0 9

 

Fotos: Hier kannst du viele Fotos des Jungentages 2009 sehen:

hier klicken, dann > weitere Fotos > Jungentag 2009
 

Zeitungsbericht: Der folgende Zeitungsartikel im Trierischen Volksfreund vom 28.4.09 ist hier zu finden: hier klicken

 

Stärken betonen, Defizite ausgleichen

 

Ist das vermeintlich "starke Geschlecht" wirklich so stark? Ganz bestimmt nicht, finden die Jugendpfleger Bernd Hermesdorf und Rainer Schnettler, die zum zweiten Mal einen Hermeskeiler "Jungentag" veranstalteten, der mit seinen Angeboten sowohl die körperliche wie die seelische Entwicklung betonte.

 

Hermeskeil. (doth) Ganz bewusst wurde das Angebot für Jungs auf den "Girls' Day" gelegt, denn Jugendpfleger Bernd Hermesdorf ist sich mit dem Initiator des "Jungentages", Rainer Schnettler, einig: "Jungs haben es beim Erwachsenwerden viel schwerer als Mädels." Da muss etwas getan werden, beschloss man 2004 am runden Tisch. Die zweite Auflage ließ jedoch fünf Jahre auf sich warten. In den sechs Angeboten wurden für die 70 Teilnehmer zwischen 13 und 16 Jahren Aktions- und Gefühlserlebnisse gleichermaßen verteilt. Jeder Junge erlebte an diesem Tag jeden dieser Aspekte. Angeboten bekamen die Teilnehmer: BMX-Fahren, Kochen, den "Kondomführerschein", Lebens- und Berufsplanung, die Entspannungstechnik "Wing Tsun" sowie viele nützliche Informationen zu körperlicher Fitness und gesunder Ernährung.

 

Aus verständlichen Gründen wollten die Teilnehmer des "Kondomführerscheins" unter sich bleiben. Hier wurde Klartext gesprochen und am Holzmodell die richtige Handhabung des "Gummis" geübt.

 

Deutscher Meister führt BMX-Tricks vor

 

Richtig viel Spaß hatten die Jungs beim BMX- Fahren, denn hier konnte der ehemalige Deutsche Meister Axel Reicherts aus Trier als Kursleiter gewonnen werden. "Diese Tricks sind eine echte Herausforderung", fand der 15-jährige Paul Lüling aus Hermeskeil, der diesen Sport schon seit zwei Jahren ausübt.

 

Richtig gut im Kochen, auch zu Hause für die Eltern, sind Simon Klein aus Hilscheid, Tobias Konrad aus Hermeskeil und Nils Conrad aus Dhronecken, die in der Küche der Realschule die Kochlöffel schwangen.

 

 "Wir wollen den Jungs vermitteln, dass sie so wie sie sich verhalten und fühlen, gut und richtig sind", fasst Schnettler zusammen. Das Selbstbewusstsein wurde geschult und Erfolgserlebnisse vermittelt. Die jahrelange Pause zwischen zwei "Jungentagen" sehen Hermesdorf und Schnettler jedoch als Defizit.

 

"Alle zwei Jahre sollte das stattfinden, damit für Mädels nicht mehr getan wird als für Jungs", meint Jugendpfleger Hermesdorf.

 

Jungen brauchen in einer Gesellschaft, in der sich die Lebensbedingungen für Männer und Frauen stark verändern, Orientierung und Unterstützung.

Es gibt aber keine allgemeingültigen Konzepte mehr für Männlichkeit und Weiblichkeit. Die Forderungen an die Jungen sind häufig Überforderungen. Sie sollen alte Rollenklischees erfüllen, suchen verständlicherweise in ihnen Sicherheit. Andererseits werden sie ständig aufgefordert, neue Lebenskonzepte auszuprobieren (Stichwort: Vaterschaftsurlaub, Gefühle zeigender Mann etc).

Uns geht es um geschlechtsbewusste Arbeit, die allerdings Toleranz und Akzeptanz verlangt: in dem Maße wie gegenüber dem männlichen Geschlecht, so auch zum weiblichen. Aber eben ständig sich bewusst seiend, dass jedes Geschlecht seine Eigenheiten wie Qualitäten hat und ausleben soll. Hier liegt ein positiver Ansatz für den Begriff der "parteilichen" Jungenarbeit.

Auch wenn es verlockend sein könnte, aus einer als defizitär empfundenen Situation heraus Ziele der Jungenarbeit zu definieren, so sollten wir versuchen, es aus den positiven Visionen heraus zu tun. Auch das ewige Herumreiten auf dem Thema "Aggressionsverarbeitung" als Jungenarbeits-Bereich hat den Nachteil, dass es immanent behauptet, Jungen seien per se ein "aggressives Geschlecht".

Wir haben uns in Hermeskeil nur begrenzt mit Definitionen von Jungenarbeit herumgeplagt. Vielmehr hatte jeder den untenstehenden Zielen zugestimmt bzw. sie mitformuliert. Auf diese Wiese haben wir eine angenehm große Lebendigkeit der Arbeitsstile erhalten, die ja eben auch persönlich sein sollen. Insofern ist Jungenarbeit natürlich auch für alle beteiligten Workshopleiter auch immer eine Auseinandersetzung mit der eigenen Jungen- bzw. Männergeschichte. Übrigens waren alle Workshopleiter vom Jungentag vollauf begeistert.

Folgende Ziele lassen sich für unsere Jungenarbeit nennen:

- eigene Stärken erkennen

- eigene Schwächen akzeptieren

- Unterstützung beim "Mannwerden heute"

- Entwicklung eines Selbstwertgefühls ohne die Abwertung anderer

- Entdecken und Schätzen der eigenen geschlechtsspezifischen Möglichkeiten

- positive Einstellung zur eigenen Körperlichkeit und Sexualität

- Förderung von Rollenbewusstsein, -toleranz und –erweiterung

 

Workshops am Jungentag 2004 in Hermeskeil

Nichts als heiße Luft, oder ?

Ein Workshop für Jungs von 10 bis 14 Jahren

Wer Interesse am Basteln hat und Spaß an Flugmodellen, ist in diesem Workshop gut aufgehoben. Aus Papier und anderen Naturmaterialien einen echten Heißluftballon zu bauen und dann zu starten ist eine Sache für coole Jungs.

 

Kochen und Boxen 

Für Jungen von 11 bis 16 Jahren

--- vormittags:   „Jungs kochen!“: Kraft-Salate, Natur-Suppen und Kreativ-Braten

"Jungs Kochen (!)", so heißt ein Kochkurs von der Evangelischen Jugend. Hier sollen Jungs unter sich auch dort kochen, wo sich sonst vor allem Mädchen und Frauen aufhalten...

Sonst Hamburger - jetzt Hermeskeiler! Nicht immer "fast food" sondern herausfinden, welches Essen wirklich Kraft gibt und gesund ist! Immerhin entscheidet die Ernährung über 60% unserer heutigen Erkrankungen...

Sonst Chips und Cola - jetzt werden die Chips selbst gebraten und dazu gibt es interessante Soßen aus der regionalen Küche! Wir zeigen Alternativen zur industriellen (Fehl-)Ernährung auf und entdecken, wie wir uns schnell, leicht und gesund selbst versorgen können. Nicht Mikrowellen-Suppe oder Minuten-Pizza, sondern umweltfreundliche, regionale und fair gehandelte Produkte lassen uns eine gesunde Küche erleben.

--- nachmittags:    „Box dich frei!“ 

Miteinander lernen, Stress nicht in Aggression, sondern in Boxsport abzubauen. Ein Anti-Aggressionstraining durch besondere sportliche Aktivitäten, z.B. durch Sandsacktraining oder Pratzentraining.

 

Trommeln und Kochen 

Für Jungen zwischen 11 und 16 Jahren

--- vormittags:   Lasst uns die Trommeln hören ...

Ein Trommelbauer und –lehrer bringt seine Trommeln mit und findet mit euch gemeinsam den richtigen Rhythmus auf seinen schönen afrikanischen Handtrommeln.

 

--- nachmittags:  „Jungs kochen“  

Vollwert-Obstteller, Vollkorn-Kuchen, Schokolade-Nudeln mit süßer Soße.

"Jungs Kochen (!)", so heißt ein Kochkurs von der Evangelischen Jugend. Hier sollen Jungs unter sich auch dort kochen, wo sich sonst vor allem Mädchen und Frauen aufhalten...

Sonst Hamburger - jetzt Hermeskeiler! Nicht immer "fast food" sondern herausfinden, welches Essen wirklich Kraft gibt und gesund ist! Immerhin entscheidet die Ernährung über 60% unserer heutigen Erkrankungen...

Sonst Chips und Cola - jetzt werden die Chips selbst gebraten und dazu gibt es interessante Soßen aus der regionalen Küche! Wir zeigen Alternativen zur industriellen (Fehl-)Ernährung auf und entdecken, wie wir uns schnell, leicht und gesund selbst versorgen können. Nicht Mikrowellen-Suppe oder Minuten-Pizza, sondern umweltfreundliche, regionale und fair gehandelte Produkte lassen uns eine gesunde Küche erleben.

 

 

„Alles im grünen Bereich“ und total normal 

Ein Workshop für Jungs zwischen 12 und 13 Jahren

--- vormittags:   „You are always on my mind“

„Hör mir doch endlich mal zu!!!“  „Sag doch endlich mal, was los ist!!!“  ......wenn das so einfach wäre...

In unserem Workshop suchen wir aus Songtexten, Gedichten und Graffitis die schönsten aus und machen eine Textkollage. Bitte mitbringen: Stifte, Papier. Und wenn ihr habt: Gedichte, Songtexte, Musik zum Thema Liebe. Für die Mittagspause nur etwas zu Trinken mitbringen, denn der Mittagshunger wird für die Teilnehmer dieses Workshops bei dem Kurs „Jungs kochen!“ gestillt.

--- nachmittags:    „Total Normal!“

In diesem Workshop wollen wir uns mit dem Lebensabschnitt beschäftigen, den man Pubertät nennt. Während dieser Zeit finden jede Menge körperliche Veränderungen statt - Ihr entwickelt Euch vom Jungen zum Mann. Aber auch Eure Gefühle, Interessen, Beziehungen und Einstellungen werden andere (verliebt sein, erste Freundin,…). Manche Veränderungen gehen schneller vor sich,  andere verlaufen sehr langsam. Da den Überblick zu behalten, fällt nicht immer leicht… 

Gemeinsam wollen wir in lockerer Atmosphäre all das mit Euch besprechen, was Euch momentan beschäftigt. Gerade auch was die körperliche Entwicklung und die J1 (Gesundheitscheck) betrifft, erhaltet Ihr Antworten auf alle Fragen, die Ihr habt. Damit das ganze nicht peinlich oder zu trocken wird, haben wir uns einige Spiele zum Thema (z.B. ein Sex-Quiz) ausgedacht. Lasst Euch überraschen…Die J1 ist übrigens ein kompletter Gesundheits-Check, auf den alle Jungendliche zwischen 12 und 15 Jahren einen gesetzlichen Anspruch haben. Bei der J1 erhältst du neben Antworten auf deine Fragen eine gründliche Untersuchung von deinem Kinder- und Jugendarzt. Dabei kann er Krankheiten erkennen, bevor sie für dich gefährlich werden. Auch bei Schulstress und anderem „trouble“ kannst du hier ganz offen reden. In absolut vertraulichen Gesprächen.

 

 

Boxen und doch cool bleiben

Für Jungen ab 10 Jahren

--- vormittags:   „Box dich frei!“    

Miteinander lernen, Stress nicht in Aggression, sondern in Boxsport abzubauen. Ein Anti-Aggressionstraining durch besondere sportliche Aktivitäten, z.B. durch Sandsacktraining oder Pratzentraining. Euer Coach ist der 

--- nachmittags:   Cool bleiben - bei Provokation oder Mobbing

Workshop für Jungen, die miteinander etwas über Möglichkeiten erfahren wollen, sich gegen Hänseleien, Mobbing, Beleidigungen oder Androhung von Gewalt zu wehren. In einer kurzen Gesprächsrunde werden wir gemeinsam besprechen, was bei denjenigen passiert, die hänseln, schlagen, mit Erpressung drohen oder mobben. Und wie es dabei den Opfern ergeht. Anschließend werden wir in Gruppenübungen und kleinen Selbstbehauptungsspielen miteinander Möglichkeiten austauschen und einüben, wie man sich als Opfer von Gewalt wehren kann und wie man Unterstützung und Hilfe erhält.

 

Zwischen mir und anderen: kreativ Konflikte lösen 

Für Jungen zwischen 10 und 18 Jahren

Konflikte zwischen dir und deiner Umgebung müssen nicht nur nerven. In diesem Workshop erfährst du, wie du Konflikte erkennst und ansprichst. Wie einfach es sein kann, sie zu lösen, wenn du sie aussprichst. Und was sie mit dir zu tun haben. Unter der Leitung von Streitschlichtern geht es auch darum, eigene Schwächen zu akzeptieren und eigene Stärken zuerkennen. In einer anschließenden Malaktion auf großem Papierformat (hierzu brauchst du keinerlei künstlerische Fähigkeiten) probierst du, wie du Gefühle wie Freude, Wut und Trauer usw. in Bildern ausdrücken kannst.

 

Backpack-Rocker

Für Jungs ab 13 Jahren

Ein komplettes Musikstudio passt im Jahre 2004 in jeden Rucksack (Backpack). Es geht in dieser ersten Einführung um Musikprogrammierung und – aufnahme. Es werden gängige Softwarepakete ausprobiert und professionelle Techniken vermittelt. Vielleicht steht am Ende euer eigenes, in diesem Workshop programmiertes Stück. Bitte mitbringen, wenn vorhanden: ein Instrument (ist aber keine Voraussetzung), eventuell schon eigene Aufnahmen auf CD oder Diskette. Englischkenntnisse sind hilfreich, aber keine Voraussetzung.

 

 

Zu kleine Räder für zu große Jungs

Für Jungen zwischen 10 und 18 Jahren

Neben den vielen, manchmal recht schweren Tricks geht es beim Skateboard- und BMX-Fahren vor allen Dingen um Spaß und Gemeinschaft. Dabei wirken die jugendlichen Fahrer nach außen hin manchmal ziemlich einschüchternd. Euer Workshopleiter  lädt in diesem Workshop ein, die ach so geheimen Regeln dieser „Geheimbünde“ zu verstehen. Euer Workshopleiter ist Musikproduzent und moderiert seit Jahren die BMX-Weltmeisterschaften. Möglichst eure Skateboards und BMX-Räder mitbringen!             

© Gymnasium Hermeskeil 2004

Bei Fragen und Interesse: Tel 0651 / 99 18 90 36

Weitere Informationen unter www.gymherm.de

 

 

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Jungenarbeit in Dresden (2008)

 

 sehr geehrte kollegen, nach zwei jahren rückzug bin ich wieder an deck. inzwischen habe ich ein eigenes atelier und die kunst ist ein wichtiges standbein geworden, an dem ich zumindest seelisch sehr satt werde. das materielle wird folgen.

 

jungen- und männerarbeit halte ich nach wie vor für sehr wichtig: ikaros landet.

 

begonnen hat es mit einer überraschenden ausstellung in der galerie "Gaia" im februar und mit einem glücklichen zusammentreffen von eigenen wünschen und äußeren möglichkeiten. das ergebnis ist eine internetseite, die über zwei domäns erreicht werden kann: hier klicken

 

ich wünsche euch viel spass und auch besinnung beim besuchen dieser seiten. sie sind nicht nur zur information gedacht. es ist eine art von vermächtnis der letzten 10 jahre.

 

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Jungenarbeit

Subjekte ihres Lebens - nicht Objekte unserer Erziehung

Zum Geschlechterblick auf Mädchen und Jungen in der Jugendhilfe:
Eine Kontroverse • Ralf Dollweber

veröffentlicht: Dollweber, Ralf (2001): Switchboard. - Zeitschrift für Männer- und Jungenarbeit, Heft 149, Dezember, S. 4-10. (Homepage)

Nachfolgend stellen wir - aus Platzgründen leicht gekürzt - Auszüge aus einem 9-seitigen Offenen Brief von Ralf Dollweber zur Diskussion [1]. Er geht ein auf den in der Ausgabe 4/2000 der "proJugend" [2] veröffentlichten Artikel "Qualitätskriterien im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz" von Claudia Ramminger, die dort verantwortliche Redakteurin und zugleich Geschäftsführerin der bayrischen Aktion Jugendschutz ist. Zuvor jedoch zitieren wir - aus Platzgründen ebenfalls in Auszügen - die Passagen des Beitrags von Claudia Ramminger, auf die sich Ralf Dollweber bezieht (beide Texte in vollständiger Länge sind beim Autor erhältlich; Adresse s. u.). Wir dokumentieren beide Standpunkte, weil sie von Bedeutung sind für die Interpretationen und Zielsetzungen von geschlechtsbezogener Jugendhilfe. Obwohl der § 9/3 des Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) seit Anfang der 90er Jahre als die zentrale gesetzliche Neuerung gilt, um auf die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen adäquater eingehen zu können, belegen die Positionen von Ramminger und Dollweber, wie weit manche Frauen und Männer in dieser Frage auseinander sein können. Brisanz enthält die Kontroverse vor allem dadurch, daß der § 9/3 KJHG auch der Gefahr einer geschlechterpolitischen Instrumentalisierung ausgesetzt ist. Von daher meinen wir, daß die Diskussion unbedingt weitergeführt werden muß. (Alexander Bentheim)

„Einen Anstoß zur Qualitätsdiskussion...

 im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz“ gibt Claudia Ramminger - so die ihrem Beitrag vorangestellte Zusammenfassung in „proJugend“-, „indem sie bereits formulierte Qualitätskriterien aus dem KJHG sowie den Jugendberichten der Bundesregierung und dem Jugendprogramm der bayrischen Staatsregierung aufgreift und auf die präventive Kinder- und Jugendschutzarbeit überträgt. Sie plädiert dafür, Qualitätskriterien aus Gesetzen und Förderprogrammen zu nutzen, und ermutigt dazu, auch Satzungen und Leitbilder als Instrumentarien der Qualitätsentwicklung heranzuziehen" (S.8). 

Wie diese Kriterien hinsichtlich ihrer Struktur-, Prozeß- und Ergebnisqualität definiert sind und von wem, und was dann letztlich überprüfbare "gute Arbeit" ausmacht, erläutert sie anhand einiger Schlüsselbegriffe (z.B. Subjektcharakter sowie Lebenswelt- und Sozialraumorientierung der Zielgruppenangehörigen, institutionelle Vernetzung und Zusammenarbeit). Im Rahmen dieser Analyse geht sie auch auf Mädchen und Jungen, Selbsthilfe und Ressourcenorientierung sowie die Bedeutung von Mitarbeiter/innen ein. Im Wortlaut:

 (...) Auf der Grundlage des § 9 KJHG „besteht die Pflicht, die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern“ [3]. Die stärkere Einbeziehung von Mädchen und jungen Frauen in alle Angebote und Dienste kann als Qualitätskriterium für Prozeß und Ergebnis verstanden werden. Neben den Zielen, die in § 9 KJHG zum Ausdruck kommen, formuliert das Jugendprogramm zum Bereich Gewaltprävention "Maßnahmen zu entwickeln, die präventiv zum Abbau männlicher Gewalt gegen Mädchen und Frauen beitragen" [4]. Im Blick auf die Prozeßqualität wird ein geschlechtsspezifischer Zugang in den üblichen Präventionsfeldern explizit vorausgesetzt.

Der Sechste Jugendbericht der Bundesregierung [5] fordert als Maßnahme der Strukturqualität weibliche Fachkräfte in allen Feldern der Jugendhilfe und der 10. Kinderbericht [6] die Beteiligung von Frauen an allen wesentlichen Planungs- und Entscheidungsprozessen. Also ist Quotierung ein Qualitätsmerkmal! Eine andere Konsequenz aus diesem Kriterium war und muß auch bleiben, geschlechtsspezifische Gefährdungen aufzugreifen. Insbesondere die "leisen", weil autoaggressiven Thematiken der Mädchen müssen bewußt gemacht werden, sie drängen sich nicht auf. Vermeintlich allgemeine Gefährdungen müssen spezifiziert werden. Bei der Gewaltproblematik ist z.B. bekannt, daß Jungen bei den jugendlichen Tätern und Mädchen bei den Opfern überrepräsentiert sind. (...) 

Im KJHG wird gefordert, "Selbsthilfe als Engagement zur Lösung von Problemen des Gemeinwesens" [7] zu fördern. Eine Orientierung an diesem Ziel, aber auch die Erfahrungen in der Präventionsarbeit legen eine Ausrichtung an den Ressourcen der Zielgruppen nahe. So formuliert beispielsweise das Jugendprogramm als Kriterien für Prozeßqualität: (a) "Sachgerechte Reaktionen auf neue gesellschaftliche Bedarfslagen erfordern (...) eine verstärkte Mitwirkung der Betroffenen" [8]; (b) "Moderne Jugendhilfemethoden setzen nicht an den Defiziten, sondern an den Selbsthilfepotentialen und den Fähigkeiten der Betroffenen an" [9]. Dieses Kriterium könnte auch über die klassischen Felder des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes hinaus angelegt werden (...) Die Wirksamkeit von Maßnahmen entsteht nicht nur aus Inhalt und Methode, sondern auch aus den persönlichen Ressourcen, die Mitarbeiter/innen mitbringen. Hieraus können Strukturkriterien ... abgeleitet werden, [z.B.] ... Erfahrungen in den spezifischen Gefährdungsbereichen (...).

 Soweit die hier relevanten Auszüge des Beitrages, dem Ralf Dollweber bescheinigt, daß die Autorin mit dem Versuch, "Qualitätskriterien im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz" aus den einschlägigen Bestimmungen des KJHG abzuleiten, einen an sich begrüßenswerten Einstand als neue Geschäftsführerin der bayerischen Aktion Jugendschutz liefert.

Dann aber findet er es "um so bedauerlicher ..., daß ihr die Ausführungen zu den geschlechtsspezifischen Aspekten der Prävention (S. 10) widersprüchlich und wenig schlüssig, ziemlich einseitig und in einem wesentlichen Punkt schlichtweg falsch geraten sind" und führt seinerseits aus: 

 Einseitig.

 Frau Ramminger beruft sich ... auf den § 9/3 KJHG (...) Das KJHG fordert ausdrücklich, die Lebenslagen von Mädchen und Jungen in den Blick zu nehmen mit dem Ziel der Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen. Und es fordert, Benachteiligungen abzubauen, d. h. nicht nur Benachteiligungen von Mädchen.

Jüngste Untersuchungen, so z.B. die Aschaffenburger Jugendstudie [10], kommen zu dem Schluß, daß es Benachteiligungen von Mädchen und jungen Frauen in Bildung, Beruf und Freizeit in der pauschalen Undifferenziertheit nicht mehr gibt (wohl aber ausländische Mädchen und junge Aussiedlerinnen massiv betroffen sind): Mehr junge Frauen als junge Männer machen inzwischen Abitur und beginnen ein Studium, weniger Mädchen als Jungen sind von Jugendarbeitslosigkeit betroffen. Andererseits waren schon immer 60% der Schülerschaft an allen Formen der Sonderschulen männlich [11]. Aufgrund eigener Beobachtungen scheinen zwischenzeitlich die Jungen auch an der Hauptschule deutlich überrepräsentiert zu sein. Zudem waren und sind 2/3 aller Sitzenbleiber männlich [12].

Die Aschaffenburger Jugendstudie kommt auch zu dem Ergebnis: "Die Teilnahme an Angeboten der offenen Jugendarbeit ist nicht männlich dominiert, Jugendarbeit ist somit nicht Jungenarbeit, wie häufig unterstellt wurde" [13]. Wenn Frau Ramminger im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen "die stärkere Einbeziehung von Mädchen und jungen Frauen in alle Angebote" zum "Qualitätskriterium für Prozeß und Ergebnis" erhebt, zielt sie wohl an der Realität vorbei und trifft allenfalls die Situation von Mädchen aus Migranten- und Aussiedlerfamilien. Die Formel `Jugendarbeit = Jungenarbeit´  "entstand in der Szenerie der offenen Jugendarbeit der 70er Jahre und hatte hier zweifellos auch ihre Berechtigung ... Was dann jedoch passierte, war, daß dieses Bild ... sich als unumstößliches Faktum verewigte" [14]. ROSE & SCHERR sprechen in diesem Zusammen-hang von "Denkblockaden, die Innovationen verhindern" [15] und damit kontraproduktiv i .S. von Qualitätssicherung sind.

 Wenig schlüssig.

 Ausdruck dieser Denkblockaden ist es vielleicht auch, wenn Frau Ramminger unkommentiert und unreflektiert die Forderung nach weiblichen Fachkräften in allen Feldern der Jugendhilfe widergibt. Als Quelle für diese Forderung nennt sie eine Veröffentlichung der Sachverständigenkommission Sechster Jugendbericht von 1984 (!), d.h. diese Forderung bezieht sich auf die alten Bundesländer zu Zeiten der Ost-West-Konfrontation. Aus diesem - zeitgebundenen - Postulat zieht sie den unvermittelten Schluß: "Also ist Quotierung ein Qualitätsmerkmal!". Legt man diesen Maßstab aber zugrunde, so muß man konsequenterweise zur Qualitätssicherung auch über Männerförderpläne für die weiblich dominierten pädagogischen Felder Kindergarten, Grundschule und Hort nachdenken.

 Widersprüchlich.

  Im weiteren reduziert Frau Ramminger den Auftrag des § 9/3 KJHG - dem Jugendprogramm der Bayerischen Staatsregierung folgend - auf "Maßnahmen ..., die präventiv zum Abbau männlicher Gewalt gegen Mädchen und Frauen beitragen". Liest man dann den folgenden mit "Selbsthilfe und Ressourcenorientierung" betitelten Abschnitt, so springt ein weiteres, dem ersten widersprechendes Zitat aus dem Jugendprogramm der Staatsregierung ins Auge, ohne daß Frau Ramminger diesen Widerspruch auflöst: "Moderne Jugendhilfemethoden setzen nicht an den Defiziten, sondern an den Selbsthilfepotentialen und den Fähigkeiten der Betroffenen an". Wenn ich aber, wie vorher geschehen, Jungen und Männer nur als - potentielle oder tatsächliche - Täter sehe, so ist dies Defizitorientierung in Reinkultur! Der Lebenskompetenzansatz in der (Sucht)Prävention verweist u.a. auf die Ausbildung einer positiven Geschlechtsidentität als Frau bzw. Mann als entscheidenden Widerstandsfaktor gegen (selbst)schädigendes Verhalten [16]. D.h., ich muß den Auftrag des § 9/3 KJHG wirklich ernst nehmen und ressourcenorientierte Angebote für beide Geschlechter einfordern, anstatt Mädchen zu fördern und Jungen zu pathologisieren.

 Falsch.

 Diese Pathologisierung von Jungen zeigt sich aber überdeutlich, wenn Frau Ramminger demagogisch behauptet: "Bei der Gewaltproblematik ist ... bekannt, daß Jungen bei den Tätern und Mädchen bei den Opfern überrepräsentiert sind". So undifferenziert und pauschal geäußert ist diese Behauptung schlichtweg falsch, erfaßt bestenfalls nur einen Teilaspekt der Realität und verkennt dabei die Lebenswirklichkeit vieler, wenn nicht gar der meisten Jungen und Männer. Mit der gebotenen Sorgfalt formuliert und vor allem belegbar müßte es heißen: Es sind überwiegend Jungen und Männer, die körperliche Gewalttaten (Schlagen, Treten, Waffengebrauch) gegen Andere verüben. Und überwiegend Mädchen und Frauen sind Opfer von sexueller Gewalt (Mißbrauch, Vergewaltigung, Belästigung) und von Mißhandlungen in heterosexuellen Partnerschaften.

 Sexuelle Gewalt: Vor allem - aber nicht nur - Frauen sind die Opfer.

 Ich bestreite also nicht, daß vorwiegend Mädchen und Frauen Opfer sexuell motivierter männlicher Gewalt sind. Und in diesem Punkt soll auch kein Mann, kein Vater, kein Onkel, kein Bruder oder Cousin aus der Verantwortung für sein inakzeptables Tun entlassen werden. Auch ist ein Ausbau der Hilfs- und Schutzangebote für die weiblichen Opfer weiterhin geboten.

Aber es gibt auch Jungen und Männer als Opfer von sexueller Gewalt und sexuellem Mißbrauch durch Männer. Dabei dürfte die Dunkelziffer ... weitaus höher sein als bei Frauen und Mädchen, da männliche Opferschaft sowohl in der Öffentlichkeit wie auch in Kreisen professioneller Helfer nach wie vor tabuisiert wird. "Die gegenwärtige Situation männlicher Opfer ähnelt der von vergewaltigten und mißhandelten Frauen vor dreißig Jahren: Verleugnung der Problematik und Ignoranz den Betroffenen gegenüber" [17] (...)

 Physische Gewalt trifft vor allem Männer.

 Richtig ist, wie bereits gesagt, daß vor allem Jungen und Männer körperliche Gewalt wie Schlagen und Treten ausüben. Die Mehrheit der Opfer körperlicher Gewalt ist aber auch männlich: 70% der Opfer von Gewalttaten sind Männer, wobei die Altersgruppe der 14-26jährigen, also Jugendliche und junge Erwachsene i. S. des KJHG, die höchste Opferrate ausweist [18]. In jüngster Zeit durchgeführte Untersuchungen zur Gewalt an Schulen kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Eine vom BKA geförderte Studie der Universität Erlangen-Nürnberg an Schülerinnen und Schülern der 7. u. 8. Jahrgangsstufe ergab, daß rd. 69% der Täter, aber auch 65% der Opfer Jungen waren [19]. Jungen mit einem hohen Gewaltpotential sind aber immer noch die Minderheit: Mindestens einmal pro Woche eine andere Person geschlagen oder getreten haben nach der Studie von LÖSEL et al. 7,9% der Jungen [20]. Bei anderen Untersuchungen schwanken die Werte der Jungen je nach Klassenstufe bei häufiger und sehr häufiger körperlicher Aggression gegen Andere zwischen 1,9 und 15,8% [21], bzw. bei körperlicher und psychischer Gewalt gegen Andere zwischen 8,1 und 12,8% [22]. Knapp 2/3 der Opfer ausländerfeindlicher Übergriffe und 3/4 der Mordopfer sind männlich [23]. (...)

 Ein klare Abgrenzung zwischen Tätern und Opfern ist nicht möglich.

 (...) In der Standarduntersuchung schlechthin zur Gewaltproblematik an Schulen - von Dan Olweus durchgeführt an 130.000 norwegischen Schülerinnen und Schülern im Alter von 7-16 Jahren - konnte der Typ des `provozierenden Opfers´ (oder `Täter-Opfer´) herausgearbeitet werden: "Diese Gruppe gerät aufgrund ihrer als provozierend erlebten Art - sowohl als Opfer als auch als Täter - häufig in aggressive Auseinandersetzungen. Diese Gruppe fällt auf durch Konzentrationsprobleme, häufig auch durch Hyperaktivität. Die überwiegende Zahl der Mitschüler fühlt sich von ihnen provoziert und bewertet sie extrem negativ. Zu dieser Gruppe zählen 6-18% der Opfer ..." [24]. Die o.g. Studie von LÖSEL et al. bestätigt diese Kategorie und ermittelt einen Jungenanteil von 64% [25]. Dies ist nicht weiter überraschend, ist doch auch Hyperaktivität zu fast 90% ein Jungenproblem [26]. Und Hyperaktivität hat nicht nur den Aspekt des entgrenzten, provozierenden Verhaltens, sondern auch den der ständigen Selbstgefährdung.

 Jungen- und männertypisch: Autoaggressives und selbstschädigendes Verhalten - Mädchentypisch: Vor allem Magersucht.

 Bei den 10-20jährigen unternehmen 4 mal mehr Mädchen als Jungen einen Selbstmordversuch. Allerdings sterben in dieser Altersgruppe 3,3 mal mehr Jungen als Mädchen durch Selbsttötung [27]. In der Altersgruppe der 20-24jährigen sind es 6 mal mehr Männer als Frauen, die Selbstmord begehen [28]. 3/4 aller Selbstmörder sind männlich [29]. Sind dies nun Täter oder Opfer?

Zwar nicht als Akt bewußter Selbsttötung, aber dennoch als un- oder halbbewußter Hang zur Selbstzerstörung sind die "typisch männlichen" Fälle von Selbstüberschätzung und Risikoverhalten mit Todesfolge zu werten: In der Altersgruppe der unter 16jährigen sterben im Vergleich zu den Mädchen 1,6 mal mehr Jungen an Verletzungen. und Vergiftungen, 1,5 mal mehr Jungen an Unfällen im Straßenverkehr, 2,2 mal so viele Jungen als Folge von Stürzen und fast doppelt so viele Jungen durch Ertrinken. In der Altersgruppe der 20-25jährigen ist die Sterberate der Männer dreimal so hoch wie die der Frauen [30].

Ordnet man Sucht - und vieles spricht dafür - in die Kategorie "Selbstschädigung/Autoaggression" ein, so ist in diesem Zusammenhang auch Folgendes von Bedeutung: Schätzungsweise 2/3 aller behandlungsbedürftigen Alkoholiker und 80% der Patienten in Suchtkliniken sind Männer [31]. LENZ vermutet aufgrund eigener Recherchen, daß eine beträchtliche Anzahl der Männer in Suchtkliniken sexuelle Gewalt erfahren hat [32].

Bei Magersucht kehrt sich der Geschlechterproporz um, kommen auf einen betroffenen Jungen 20 betroffene Mädchen. In jüngster Zeit nehmen allerdings Anorexien und Bulimien bei Jungen und Männern zwischen 10 und 25 Jahren zu [33]. Bei Adipositas liegt die Rate der Jungen knapp 1,5 mal über der der Mädchen [34].

Bezieht man weitere psychische und psychosomatische Störungen und Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen mit autoaggressiver Dynamik mit ein, so sind nur bei der Symptomatik "Haareausreißen" die Mädchen überrepräsentiert (4 Mädchen zu 1 Jungen). Bei Magen-/Darmgeschwüren kommen 6 erkrankte Jungen auf ein erkranktes Mädchen. An Krebs sterben 1,7 mal mehr Jungen unter 16 Jahren als Mädchen; 1,5 mal so viel Männer wie Frauen erkranken an Krebs [35].

 Nochmals einseitig.

 Frau Ramminger fordert: "Insbesondere die `leisen´, weil autoaggressiven Thematiken der Mädchen müssen bewußt gemacht werden, sie drängen sich nicht auf". Dies spiegelt eher ein klischeehaftes Frauenbild denn die gesellschaftliche Realität. Ich jedenfalls würde Suizid, Adipositas, Magen-/Darmgeschwüre und Krebs auch als leise und unaufdringliche "autoaggressive Thematiken" charakterisieren, die aber vor allem auch die Jungen betreffen. Zwar leiden doppelt so viele Mädchen als Jungen `leise´ an Depressionen, aber 4 mal mehr Jungen als Mädchen entwickeln Zwangsvorstellungen und Zwangshandlungen [36]. Hinter der Zwanghaftigkeit verbergen sich aber (d.h.: "... drängen sich nicht auf ...") massive, teils existentielle Ängste.

 Auch Männer sind Opfer patriarchalischer Herrschaftsstrukturen.

 Auch wenn der Begriff "strukturelle Gewalt" im fachlichen Diskurs leider ziemlich aus der Mode gekommen ist und struktureller Jugendschutz im Zusammenhang mit Gewaltprävention wenig diskutiert wird, möchte ich doch auch diesem Aspekt Beachtung schenken. Es gibt einige Indizien, die darauf hindeuten, daß Männer nicht nur Gewinner, sondern mehrheitlich auch Opfer patriarchalischer Strukturen sind.

Die Sterberate männlicher Personen ist in allen Altersgruppen höher als die der weiblichen Personen. Erst in der Altersgruppe der 75-80jährigen kehrt sich dieses Verhältnis um: Die meisten Männer sind dann halt schon gestorben [37]. Nur 1/3 der männlichen Erwerbstätigen geht gesund in Rente. Ein weiteres Drittel wird vorzeitig berufsunfähig, ein letztes Drittel stirbt vor Erreichen des Rentenalters. Mit ein Grund dürfte sein, daß Männer nach wie vor in riskanten und extrem gesundheitsschädlichen Berufssparten dominieren, z.B. Straßenbau, Stahlerzeugung, Feuerwehr, Dachdeckerhandwerk. Auch sind 70% der Obdachlosen Männer und Obdachlosigkeit ist nicht gerade eine gesundheitsfördernde Lebensform [38]. 2/3 der Notfallpatienten sind männlich [39]. Es gibt zwar männertypische Erkrankungen wie z. B. Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkte, Schlaganfälle - aber keinen männerspezifischen Arzt im Gesundheitssystem [40].

Auf die im Vergleich zu den Mädchen schlechtere Schulerfolgsbilanz der Jungen (niedrigerer Schulabschluß, Sonderschuleinweisung, Sitzenbleiben) habe ich bereits hingewiesen. Die von der Kohl-Regierung eingesetzte "Gewalt-Kommission" stellte in ihrem Abschlußgutachten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen schulischem Mißerfolg und Gewalttaten in der Schule fest. Hinzukommt, daß auch in Erziehungsberatungsstellen, bei schul-psychologischen Diensten und in jugendpsychiatrischen Einrichtungen 2/3 der vorgestellten Klienten männlich sind [41].

 Weibliche Täterschaft: Frauen sind nicht nur Opfer.

 Es gibt - weitgehend tabuisiert - in Fällen des sexuellen Mißbrauchs der Tochter durch den Vater auch die stille Mitwisserschaft der Mutter, die sich dadurch zur Mit-Täterin macht. Und es gibt weibliche Täterschaft an Jungen, wenn auch wohl weniger in Form von sexueller Gewalt oder erzwungenem Beischlaf, so doch auch als gewalttätige Mißhandlungen. Vor allem aber gibt es weibliche Täterschaft als punktuelle Grenzverletzung und dauerhafte Grenzüberschreitung: Mütter, die die Eigenimpulse und Autonomiebestrebungen ihrer Kinder ersticken "in der einhüllenden Watte mütterlich besorgter Liebe" [42]. Mütter, die aus - vermeintlich - hygienischen und medizinischen Gründen den Genitalien ihrer heranwachsenden Söhne übergroße Aufmerksamkeit schenken, Mütter, die ihre Söhne `ins Vertrauen ziehen´, als emotionalen Partnerersatz nehmen, als Tröster und Verbündeten gegen den Partner/Vater. Der Psychoanalytiker Riemann prägte in seinem bereits 1961 erstmalig erschienen Werk "Grundformen der Angst" hierfür den Begriff "weiche Vergewaltigung" [43]: "Mir erscheint die häufig vorgenommene Einengung oder Reduktion des Begriffs `Mißbrauch´ auf den sexuellen Mißbrauch ... wenig hilfreich. Ich glaube, daß der Begriff `generationenüberschreitender Verkehr´ umfassender ist und daher die Realität besser abbildet. Noch genauer müßte es heißen `generationen-grenzüberschreitender Verkehr´". Diese ersatzweise, d.h. nicht auf der altersentsprechenden Ebene sich vollziehende Bedürfnisbefriedigung eines Elternteils bzw. sonstigen Erwachsenen "kann sich auf den emotionalen und/oder intellektuellen und/oder körperlichen, sexuellen Bereich erstrecken" [44].

 Psychische Gewalt: Bei beiden Geschlechtern gleichermaßen "beliebt".

 Ein umfassender Blick auf die Gewaltproblematik muß die Ausdrucksformen der psychischen Gewalt mit einbeziehen, auch wenn diese weniger offensichtlich sind: Hänseleien, Intrigen, Verleumdungen, üble Nachrede, Beschimpfungen, spitze Bemerkungen, Manipulation von Beziehungen, Bloßstellen, Ausgrenzung, abwertende Gesten, Spott. "Bei den selbstberichteten psychischen Aggressionen erreicht der Mädchenanteil zwar nie eine Spitzenposition, aber ihre Beteiligung kann nicht als gering interpretiert werden. Denn immerhin 51% von ihnen - gegenüber 63% der Jungen gaben zu, im vergangenen Schuljahr andere gehänselt zu haben" [45]. LÖSEL et al. kommen zu dem Ergebnis, daß beim Ausüben verbaler Gewalt die Mädchen gegenüber den Jungen annähernd gleichziehen [46]. Nach OLWEUS sind die o.g. Ausprägungen psychischer Gewalt mädchentypisch [47].

 Ideologische Fallen.

 Wenn ich nun vor allem die Behauptung von Frau Ramminger, daß (jugendliche) Gewalttäter vorwiegend männlich, (jugendliche) Gewaltopfer aber überwiegend weiblich seien, auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft habe, so will ich damit auf keinen Fall einen Wettstreit der Geschlechter beginnen, ob denn nun Männer oder Frauen die besseren Opfer sind. Ich möchte dies vielmehr als ein Plädoyer für eine mehrdimensionale "Sowohl-als-auch"-Betrachtungsweise verstanden wissen. "Die eindimensionale Betrachtungsweise von Männlichkeit als Macht, Erfolg und Unterdrückung anderer muß um die dialektische Sichtweise erweitert werden, welche Folge diese Rolle für ihre eigenen Träger hat. Das soll mitnichten bedeuten, Täter von Schuld freizusprechen, sondern statt dessen zu begreifen, wie Männer zu Tätern werden, wie Täter- und Opferaspekte ineinander-greifen und wie - in Kindheit und Jugend - gebrachte Opfer zur Tat generieren können" [48].

Genauso ist es notwendig, nicht nur die ... Benachteiligung der Frauen anzuprangern und Frauen [als] Opfer zu sehen, sondern auch anzuerkennen, welche manipulative Macht diese Rolle birgt. "Die bestehende gesellschaftliche Machthierarchie zwischen den Geschlechtern kann (auch; RD) nicht einfach auf die einzelnen Individuen runtergebrochen werden ... D.h., jede Biographie ist durchzogen von einem Nebeneinander von Macht- und Ohnmachtserfahrungen, Grandiosität und Irritation, Wohlbefinden und Leiden ... Beide Bilder, das von den benachteiligten Mädchen wie auch das von den bevorteilten Jungen, verkürzen, vereindeutigen, verfälschen die Ambivalenzen jugendlicher Lebenswelten. Pädagogische Konzeptionen, die hierauf fußen, müssen im Grunde genommen immer wieder an ihren Zielen scheitern, weil sich die Adressaten und Adressatinnen letztlich nicht verstanden fühlen" [49].

Wer weiterhin die Augen davor verschließt, daß Männer auch Opfer und Frauen auch Täterinnen sind, und statt dessen das Geschlechterverhältnis in schwarz/weiß-Kategorien betrachtet - hier das weiblich Gute, die Frau als Opfer und Verliererin, ohnmächtig und benachteiligt / dort das männliche Böse, der Mann als Täter und Gewinner, mächtig und privilegiert - der geht genau den Kategorien zwanghafter Männlichkeit (nämlich Herrschaft und Unterdrückung, Sieger und Besiegte) auf den Leim, d.h. frau stützt eigentlich das System, das sie glaubt zu bekämpfen.

Ich glaube, gerade Frauen in Mädchen- und Frauenprojekten laufen Gefahr, sich in diesem System zwanghafter Männlichkeit (oder sagen wir: Patriarchat) zu gut einzurichten und jede Infragestellung dieses Systems - unbewußt oder kalkuliert? - zu sabotieren. Schließlich legitimiert sich ihr eigener Arbeitsplatz vor dem Hintergrund ungleicher Machtverteilung zwischen den Geschlechtern. "Eine veränderte Sichtweise hinsichtlich der Geschlechterungleichheit käme einem immer nur schwer in Gang zu bringenden Paradigmenwechsel gleich, zumal es auf Seiten der professionellen `Jugendarbeiterinnen´ um die Erhaltung ehemals notwendiger und erkämpfter Ressourcen und zwischenzeitlich aufgebauter Organisationsstrukturen geht" [50]. Die Sicherung von Pfründen ist zwar menschlich verständlich, hat aber mit Qualitätssicherung nichts zu tun.

Wenn Frauen Jungen und Männer nur als Gewalttäter registrieren und Maßnahmen einfordern, "die präventiv zum Abbau männlicher Gewalt gegen Mädchen und Frauen beitragen", so schwingt dabei die Erwartung an die männlichen Jugendarbeiter mit, diese Maßnahmen doch bitteschön zu ergreifen und diese gewaltbereiten Jungs zu zähmen. Damit drängt frau die männlichen Kollegen aber in die traditionelle Rolle des Beschützers, füllt somit neuen Wein in alte Beziehungsschläuche. "Solange die `neuen´ Männer gegen (männliche) Täter und für weibliche Opfer kämpfen, sind sie aktive Beschützer der Frauen. Sie bleiben dann aktiv - und können damit ihre eigenen Erfahrungen von `Opfer-sein´ weiterhin verdrängen. Lieber Märtyrer (oder Held) als Opfer. Zu fragen ist, in welchem Auftrag die `neuen´ Männer eigentlich handeln" [50].

Wenn die männliche wie die weibliche Gesellschaft Jungen und Männern nur Aufmerksamkeit schenkt und Angebote macht, wenn sie Gewalt ausüben, so lautet die damit mitschwingende Botschaft: "Wenn Ihr Aufmerksamkeit wollt, müßt Ihr rücksichtslos und gewalttätig werden und auf den Putz hauen". D.h. im Klartext: "Benehmt Euch wie `richtige´ Männer!". Solange männliches Leid allgemein ignoriert und männliche Opfer damit diskriminiert werden, tradiert sich die patriarchalische Überzeugung, daß Schwäche unmännlich ist.

  Fazit

 Leistungen der Jugendhilfe im Allgemeinen, der Jugendarbeit und des erzieherischen Jugendschutzes im Besonderen zeichnen sich unter dem Aspekt einer geschlechtsbezogenen Pädagogik dann durch Qualität aus,

·        wenn sie die Lebenslagen von Mädchen und Jungen immer wieder neu auf Entwicklungsbeschränkungen, Diskriminierungen und Viktimisierungen hin überprüfen,

·        wenn sie Strategien zur Überwindung der je aktuell bestehenden Entwicklungsbeschränkungen, Diskriminierungen und Viktimisierungen entwickeln,

·        wenn sie die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen fördern, ohne ihnen ihre Eigenart zu nehmen,

·        wenn sie sensibel sind "für Formen des Leidens an dem Zwang, Junge oder Mädchen zu sein, d.h. sich in den sozial vorgegebenen Formen akzeptierter Männlichkeit und Weiblichkeit darstellen zu müssen" [52]

·        wenn sie zum Abbau von Klischees beitragen, wie Jungen und Mädchen, Männer und Frauen zu sein haben,

·        wenn sie die Vielfalt der Entwürfe von Weiblichkeit und Männlichkeit akzeptieren und fördern,

·        wenn sie jedem und jeder einzelnen Jugendlichen das Angebot machen, die individuellen Ressourcen zu stärken und die individuellen Potentiale zu entfalten, und er/sie aus eigener Verantwortung entscheiden darf, ob er dieses Angebot annimmt, d.h.

·        wenn Mädchen und Jungen als Subjekte ihres Lebens und nicht als Objekte unserer Erziehung angesehen werden.

"Die von mir kritisierte Textpassage ist m.E. ein Rückfall hinter [die] bisher ... in der Geschlechterfrage vertretene Position der Aktion Jugendschutz Bayern. Die Textpassage ignoriert die seit der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking geführte Diskussion um das Gender Mainstreaming. Ich reagiere inzwischen allergisch auf die gebetsmühlenhafte Wiederholung der empirisch nicht überprüften pauschalen Behauptung von der Benachteiligung der Mädchen und der Reduktion von Genderpädagogik auf das perspektivlose `Wir gründen eine Mädchengruppe´ oder `Wir machen einen Mädchenaktionstag´, wie es in Bayern immer noch vorherrscht und etwa durch das kürzlich ausgelaufene FamTotal-Förderprogramm des Bayrischen Jugendringes weiter forciert wurde".  

Ralf Dollweber 

Sozialwissenschaftler, Gestalttherapeut

Kontakt Email: Schreiben

Anmerkungen

 [1] Die Hervorhebungen im Text stammen vom Autor. • [2] Vierteljahreszeitschrift der "Aktion Jugendschutz" in Bayern und Schleswig-Holstein. • [3] HALLER: Kinder- und Jugendhilfegesetz: Motorwechsel in der Jugendhilfe. Köln 1990, S. 36 • [4] Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit und Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Hg.): Kinder- und Jugendprogramm der Bayrischen Staatsregierung / Fortschreibung 1998. München 1999, S. 68 • [5] Sachverständigenkommission Sechster Jugendbericht (Hg.): Alltag und Biografie von Mädchen. 17. Bericht der Kommission. Opladen 1984 • [6] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.): Zehnter Kinderbericht der Bundesregierung. Bundestagsdrucksache 13/11368. Bonn 1998 • [7] HALLER, a.a.O., S. 32 • [8, 9] Bayrisches ..., a.a.O., S. 18 • [10] siehe hierzu SCHWAB et al.: Gesellschaftlicher Wandel und blinde Flecken der traditionellen Jugendhilfe. In: deutsche jugend 12/2000, S. 519 ff. • [11] Statistisches Bundesamt, zit. n. SCHNACK & NEUTZLING: Kleine Helden in Not. Reinbek 1990, S. 109 • [12] HOLLSTEIN: Männlichkeit ist eine hochriskante Lebensform. In: Dr. med. Mabuse 3/2000, S. 32 • [13] SCHWAB et al., a.a.O., S. 521 • [14] ROSE & SCHERR: Der Diskurs zur Geschlechterdifferenzierung in der Kinder- und Jugendhilfe. Ein kritischer Blick. In: deutsche jugend 2/2000, S. 67 • [15] ebd., S. 66 • [16] Dem trägt z. B. die Ausstellung "Boys & Girls" der LZG Bayern Rechnung. • [17] LENZ: Männer als Opfer. In: Dr. med. Mabuse 3/2000, S. 46; siehe hierzu auch LENZ: Spirale der Gewalt. Jungen und Männer als Opfer von Gewalt. Berlin 1996. - Bei einer kürzlich in Schwabach angebotenen Abendveranstaltung mit Hans-Joachim Lenz zu dieser Thematik kamen lediglich drei ZuhörerInnen: 2 Kolleginnen vom Abenteuerspielplatz und 1 Kollege aus der Jugendgerichtshilfe. Nicht ein einziger Vertreter oder eine Vertreterin der heilenden und beratenden Berufe war erschienen! • [18] LENZ, a.a.0., S. 47 • [19] LÖSEL et al.: Erlebens- und Verhaltensprobleme von Tätern und Opfern. In: Holtappels et al.: Forschung über Gewalt an Schulen. Weinheim/München 1997, S. 146 • [20] ebd., S. 144 • [21] BUSCH & TODT: Aggression in Schulen. In: Holtappels et al., a.a.0., S. 334 • [22] OLWEUS: Täter-Opfer-Probleme in der Schule. Erkenntnisstand und Interventionsprogramm. In: Holtappels et al., a.a.0., S. 284 • [23] HOLLSTEIN, a.a.0., S. 32 • [24] BUSCH & TODT, a.a.0., S. 338 • [25] LÖSEL et al., a.a.O., S. 146 • [26] SCHNACK & NEUTZLING, a.a.O., S. 107 • [27] ebd., S. 105 • [28] vgl. "Männer und Gesundheit". In: Dr. med. Mabuse 3/2000, S. 62 • [29] HOLLSTEIN, a.a.0., S. 32 • [30] SCHNACK & NEUTZLING, a.a.O., S. 105 u. 107 • [31] VOSSHAGEN: "Männer sind schon als Baby blau...". In: Dr. med. Mabuse 3/2000, S. 36 • [32] LENZ, a.a.O., S. 50 • [33] OSTERLOH-SCHÄFER & VOGELBACH-WOERNER: Eßstörungen bei Männern. In: Landesstelle Jugendschutz Nieder-sachsen (Hg.): Mal dick, mal dünn. Hannover o. J., S. 33 ff. • [34, 35] SCHNACK & NEUTZLING, a.a.O., S. 107 • [36] ebd., S. 106 • [37] ebd., S. 102 • [38] LENZ, a.a.O., S. 48ff • [39] HOLLSTEIN, a.a.O., S. 32 • [40] siehe hierzu das Interview mit Haydar KARATEPE in: Dr.med. Mabuse 3/2000, S. 42 ff. • [41] SCHNACK & NEUTZLING, a.a.O., S. 107 u. 110 • [42, 43] RIEMANN: Grundformen der Angst. München/Basel 1993, S. 78 • [44] ROEDEL: Praxis der Geno-grammarbeit. Dortmund 1992, S. 89 • [45] POPP: Geschlechtersozialisation und Gewalt an Schulen. In: Holtappels • et al., a.a.O., S. 214 • [46] LÖSEL et al., a.a.O., S. 142 • [47] OLWEUS, a.a.O., S. 285 • [48] HOLLSTEIN, a.a.O., S. 32 • [49] ROSE & SCHERR, a.a.O., S. 69 • [50] SCHWAB et al., a.a.O., S. 520 • [51] LENZ, a.a.O., S. 50, Fußn. 18 • [52] ROSE & SCHERR, a.a.O., S. 70

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Arme Jungs

 

Eine Aufsehen erregende These findet immer mehr Anhänger: Nicht mehr die Mädchen sind heute das benachteiligte Geschlecht, sondern die Knaben.

 

Focus Artikel 05. August 2002: download

 

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"Schlaue Mädchen Dumme Jungen"

Sieger und Verlierer in der Schule

 

Pädagogen sorgen sich um die Männer von morgen: Immer mehr Jungen verlassen die Schule mit miserablen Noten. Sie sind tief verunsichert, männliche Vorbilder fehlen. Forscher rufen bereits die "Jungenkatastrophe" aus, die Leistungen der Mädchen werden unterdessen immer besser.

Spiegel Nr. 21 vom 17. Mai 2004 - Dossier